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Je suis depolarisée!

Projekt Speckweg #1 | Ein Experiment

Nikki im September 2016

September 2016

Ich hatte die Idee, das #projektspeckweg zu verbloggen. Es gab zumindest bei 3,5 Leuten das höflich vorgetragene Interesse, dies auch lesen zu wollen. Also gut. Es wird eine Serie draus, da ich nicht alles in einen Artikel quetschen möchte. Themen, die jetzt nicht behandelt werden, kommen dann eben später.

Es begann mit meiner schon immer währenden Verwunderung darüber, wovon dünne Menschen eigentlich leben. Nun lebe ich mit einem dünnen Menschen zusammen, aber dessen Nahrungsmittelkonsum ist vielleicht keine geeignete Vergleichsgrösse. Männer verbrauchen eh mehr Kalorien. (Das Y-Chromosom ist echt der Burner!).

Ich beschloss also vor 10 Wochen mehr aus einer Laune heraus, auf Basis dessen, was bei meinem Normal- oder Idealgewicht eine akzeptable Verzehrmenge wäre (gemessen in kcal) zu essen, Eigentlich sogar weniger als das. Da ich die Weight Watchers Punktezählerei noch von meiner großen Abnahme 2003-2005 (damals minus 55kg) kann und man das eigentlich nie wieder aus dem Kopf raus bekommt, zähle ich halt Punkte. Allerdings wollte ich es dieses Mal anders angehen. Bei WW und anderen Diät- und Abnehmprogrammen geht man – zumindest nach meiner Erfahrung – nie vom individuellen Bedarf an Kalorien aus, sondern nur von Mittelwerten. Das ist im Grunde auch okay, aber ich wollte es genauer wissen.

Im Internet fanden sich dann auch diverse Grundumsatzrechner und ich ermittelte mehrere Werte. Diese waren auch nur Mittelwerte, aber mit irgendwas musste ich ja anfangen.

  • Grundumsatz bei Zielgewicht
  • Kalorienverbrauch bei Zielgewicht mit Bewegung
  • Grundumsatz beim aktuellen Gewicht
  • Kalorienverbrauch beim aktuellen Gewicht mit Bewegung.

Die Rechner nehmen alle die Tätigkeit als Grundlage für die Berechnung. Nun habe ich zwar einen sitzintensiven Job, bin aber dank ÖPNV-Nutzung meist zu Fuß unterwegs oder stehe in überfüllten Bussen und Bahnen. Diese Variante berücksichtigen die Verbrauchsrechner in der Regel nicht. Ich entschied mich Pi*Daumen für einen Wert. Da ich es im bisherigen Verlauf genauer wissen wollte, habe ich weiter getüftelt. Das “Genauer” ist inzwischen eine Exceldatei, die mir – unter anderem- täglich den zum Gewicht passenden Kalorienbedarf berechnet. Da die damit errechnete Abnahme (eingesparte Kalorien/7000) und die tatsächliche Abnahme ziemlich dicht beieinander liegen, ist meine nachjustierte Verbrauchsannahme wohl einigermaßen korrekt.

Aber zurück zum Experiment.

Ich nenne es nicht Diät, da ich meine Ernährung umgestellt habe. Diät heisst es eigentlich nur, wenn mir Menschen Essen aufdrängen wollen. Diät versteht jeder. Ernährung umgestellt ist erklärungsbedürftig und dazu habe ich nicht immer Zeit und auch nicht immer Lust. Es ist eine eiweißreiche fettreduzierte fleischarme Mischkost. Was ich genau esse, ist in dem Kontext eigentlich egal. Mir ging es eher um die Portionsgrößen und um die Frage, ob ich mit einer Essensmenge, mit der eine Person von 70kg Lebendgewicht noch abnähme, klarkommen würde. Die Antwort lautet inzwischen: Ja. Die Idee ist, dass ich mich dann am Ende der Abnehmphase an die Essensmengen gewöhnt habe.

Wenn ich in der früh nichts esse, komme ich relativ lange ohne Essen aus. Das ist keine neue Erkenntnis. Deswegen beschloss ich, erst dann etwas zu essen, wenn ich *wirklich* Hunger habe. Wenn ich früh anfange zu essen, esse ich potentiell den Tag über mehr und habe auch mehr Hunger (oder was ich bisher dafür hielt). Die ersten Tage wartete ich als primär auf das Aufkommen von Hunger und aß erst dann etwas.

Einge wesentliche Änderungen:

  • Ich frühstücke nicht mehr. Jahrzehnelang habe ich morgens etwas gegessen, obwohl ich morgens eher Appetit als tatsächlichen Hunger habe, weil “die wichtigste Mahlzeit” und weil ich jederzeit essen konnte. Wenn ich jetzt erst gegen Mittag etwas esse, esse ich den Tag über generell weniger und überziehe nicht. Ich esse dann, wenn ich Hunger habe und Hunger zu haben, musste ich erstmal lernen. Wenn mir jemand mit so einem Schmarrn wie “Aber das Frühstück ist doch die wichtigste Mahlzeit des Tages!!!!11 Blablabla!” um die Ecke kommt, dem schenke ich alle Kilos, die zum fraglichen Zeitpunkt noch zuviel sind.
  • Ich habe gelernt, Hunger auszuhalten. Das klingt jetzt arg nach Selbstkasteiung, ist es aber nicht. Für jemanden, der sein bisheriges Leben lang immer versucht hat, Hunger gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist das eine sehr wichtige Erfahrung. Ich esse ausreichend, aber ich muss nicht mehr beim leisesten Anflug von Magenknurren Kalorien einwerfen. Dem Thema Hunger werde ich einen eigenen Blogbeitrag widmen.
  • Ich habe gelernt, tatsächlichen Hunger, Appetit und Gier auseinanderzuhalten.
  • Mein Verhältnis zu Essen hat sich – im Vergleich zur Abnahme 2003-2005 – nochmal erheblich gewandelt. (Auch das werden eigene Beiträge.)
  • Ich habe ein Tageslimit (wie damals), aber das funktioniert nur als Begrenzung nach oben. Wenn ich 500kcal weniger esse als das, weil ich an vielen Tagen wenig Hunger habe, ist das okay. Es gibt einfach keinen Grund, irgendwelches Zeug in sich reinzustopfen, nur weil man ein angebliches Kaloriensoll noch nicht erfüllt hat. (Hunger haben, ihr wisst schon…)

Ja, ich habe Fettlogik überwinden gelesen, aber erst nachdem ich schon mit dem Experiment begonnen hatte. Das Buch hat mich mit meinen theoretischen Annahmen bestärkt.

Ein paar Bemerkungen am Rande: Ich komme mit der gewählten Methode sehr gut klar. Es ist mir vollkommen piepschnurzegal, ob ich mit Paleo-Low-Vegan-Carb-Blutgruppen-Tralala 100 Gramm mehr in der Woche abnehmen könnte. Ich glaube nicht, dass einzelne Nahrungsmittel böser sind als andere und quasi schon vom Anschauen dick machen. Abnehmen ist eine relativ einfache Input-Output-Rechnung. Friss weniger als du verbrauchst. Daran halte ich mich. Wenn ich Religion möchte, gehe ich in eine Kirche.

Und für die Sensationsgierigen unter euch kommen jetzt endlich die Zahlen:

  • Startgewicht: 150kg (ja, richtig gelesen)
  • Vorläufiges Zielgewicht: 70kg
  • Gesamtabnahme nach Ende der 10. Woche: 15,9 kg (Entspricht 19,8 % des geplanten Gewichtsverlustes).

14 Comments

  1. Wow. Das ist krass.

  2. Dauerhaft abnahmen bis zum ziel finde ich der falsche weg, versuch pausen einzuliegen und gewicht erst halten im gleichen zeit raum.dann wieder abnehmen.

    • dyfa

      September 25, 2017 at 09:56

      Hallo Mickey, Pausen sind bei mir aus Erfahrung keine gute Idee. Deswegen werde ich keine machen.

  3. Oh, vielen Dank für den Artikel. Ich hatte das mit dem Abnehmen über Twitter mitbekommen und wollte schon die ganze Zeit nachfragen, wie Du das angegangen bist.

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Irgendwie muss ich das Thema jetzt auch endlich ernsthaft angehen :-/

    Viele Grüße,
    Klaus

  4. Nach Pausen wieder anzufangen finde ich auch viel schwieriger, als einfach gleich durchzumachen.

    Ist ja nicht wie beim Sport, dass man den Körper mit Anstrengung überlastet, wenn man keine Pausen macht. Im Gegenteil, ich finde man entlastet den Körper, indem man ihn jeden Tag ein kleines bisschen weniger Last mit sich herumschleppen lässt.

  5. TutnichtszurSache

    September 25, 2017 at 14:21

    Ich finde es wirklich toll, dass du das in Angriff nimmst. Du sahst letztens nicht gut aus, ich hoffe, du bist nicht böse, wenn ich schreibe, dass ich mir Sorgen gemacht habe.

    Ich hatte einen Freund, den Werner, der ist einfach mit 55 dran gestorben. Ohne Vorwarnung. Ich weiß, es gibt viele verschiedene Sachen, an denen man sterben kann, aber einfach am Übergewicht ist mir das noch nicht begegnet.

    Ich wünsche dir viel Erfolg, lass dich nicht von Rückschlägen, Krisen und blöden Ratschlägen anderer beeinflussen!!

    Liebe Grüße

  6. Spannend! Und meinen Respekt für das Durchhalten bisher und den Erfolg. Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht und drücke alle Daumen!

  7. Du könntest statt weniger zu essen dich auch mehr bewegen. Wenn möglich solltest du 3x die Woche Krafttraining und Ausdauersport machen. Du nimmst durch Sport zwar Gewicht zu weil dein Körper Muskeln aufbaut, aber du solltest eine Waage haben die den Muskel und Fettanteil auseinanderhalten kann. Du musst nicht weniger wiegen, wenn du Muskeln aufbaust und den Fettanteil reduzierst bist du erfolgreicher, als wenn du nur das Gewicht reduzieren möchtest. Durch die Muskeln erhöhst du den Grundumsatz und kannst mehr essen, bist weniger erschöpft und kannst dir auch mal süssigkeiten erlauben. Mehr Muskeln machen dich hungrig und zehren dir dein Fett von den Rippen.

    Das mit dem Frühstück weglassen halte ich für den falschen weg. Gewöhn dich lieber an feste Essenzeiten, und vergesse nicht auch genug Wasser und Vitamine zu trinken – damit kannst du auch prima den Hunger etwas unterdrücken.

    Viel Erfolg.

    • dyfa

      September 25, 2017 at 16:22

      Hallo Lars, ich bin nicht erschöpft und ich möchte trotzdem weniger wiegen als zZ 135kg. Auch wenn es 135kg Muskelmasse, wären hätte ich da keinen Spaß dran.
      Ich möchte mich auch nicht an feste Essenszeiten gewöhnen. Die hatte ich mein ganzes Leben lang und es hat mich fett gemacht, zu essen ohne hungrig zu sein.
      Wenn du frühstücken möchtest, nur zu. Ich möchte nicht essen, wenn ich keinen Hunger habe.
      Sport mache ich und ich esse auch zwischendurch mal Süßigkeiten. Alles in Ordnung.

  8. Du machst das richtig! Werde hier weiter lesen…
    Grüße Hobi 😎

  9. Als jemand, der die 2003-2005-Phase mitbekommen hat, bin ich natürlich an der jetzigen Entwicklung besonders interessiert. Ich finde, das klingt alles sehr plausibel und erfolgversprechend und ich muss sagen, ich erkenne mich teils wieder (das mit dem Hunger z.B.)
    Einziger Einwand könnte sein, dass es auch ein “zu wenig” an Kalorienaufnahme geben kann, bei der dann der Grundumsatz sinkt. Aber das wirst du ja im Zweifelsfall sehen (oder auch nicht) – das Ergebnis der ersten 10 Wochen klingt jedenfalls sehr gut und ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg.
    Und wann sehen wir uns überhaupt mal wieder live?

  10. go go go go go! :>

    Ich nehme an das “nur wenn Hunger” kollidiert mit Verabredungen zum Essen?

  11. Wow, dieses Ziel ist wirklich äußerst ambitioniert. Ich drücke dir die Daumen!

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