Tanzstile

Die Stilkunde des Abzappelns

Alle Tanzstile, die bisher erforscht wurden:

Der Gewichtsverlagerer – tanzt indem er das Gewicht von einen Fuß auf den anderen verlagert, ohne einen davon je vom Boden abzuheben.

Der Brummkreisel – seine Tanzbewegungen erinnern an das Spielzeug aus Kindertagen. Der Tänzer dreht sich immer nur im Kreis und das unabhängig von der Musik. Wenn es nicht so laut wäre im Tanzlokal, könnte man ihn sicher auch brummen hören.

Der Jogger – bewegt sich joggend über die Tanzfläche und das häufig auch unabhängig vom Rhythmus der Musik. Denkt sich vermutlich, daß er so spät ins Bett kommt, daß das Joggen in der Früh ausfallen wird und kombiniert so beides.

Der Minimalist – steht weitestgehend regungslos auf der Tanzfläche und denkt sich seine Tanzbewegungen.

Der Goaflummi – Hüpfendes Individuum, gerne auch barfuß mit und ohne Glöckchenkette um den Knöchel, welches im Takt der Musik wie ein Gummiball über die Tanzfläche hoppelt und dabei rhythmisch die Arme in die Luft wirft. Dynamischer, raumfordernder Tanzstil.
Die Tangoqueen – Hat sich im Lokal geirrt und/oder noch dazu ihren Tanzpartner vergessen. Schwebt in tangoähnlichen Bewegungsmustern zwischen den übrigen Tänzern hindurch.
Der sterbende Schwan – Kniet oder sitzt auf dem Boden und fuchtelt mit den Armen. Hinzu kommt ein mehr oder weniger delirischer Gesichtsausdruck.

Der Krautstampfer – Macht mit den Füßen heftige Stampfbewegungen, als ob er oder sie in einem Krautfaß stünde, dessen Inhalt es zu zerstampfen gilt.

Aerobic – Grüße von Jane Fonda. Man vermisst das passende 80er Jahre Outfit mit bunten Stulpen und Schweissbändern. Aus irgendeinem Grund meint Herr L. ich würde so tanzen.

Das Funkenmariechen – Es fehlt nur noch das Kostüm, das Federhütchen und das silberne Stöckchen. Und Narhallamarsch!!!! Wirft die Beine nach vorne oder hinten in die Luft.

Der Kälteschocker – Unterscheidet sich vom Minimalisten durch Mitführen eines Alkoholischen Getränks und einer brennenden Zigarette und Wippbewegungen. Lebt in dem Irrglauben, durch unglaublich cooles Rumstehen am Rand der Tanzfläche könnte er Frauen nachhaltig beeindrucken. Geht immer allein nach Hause.
Der Feuertänzer – Tänzer egal welchen Stils mit brennender Kippe in der Hand. Wird irgendwann aussterben. Entweder durch das Rauchverbot oder die Folgeerscheinungen des Nikotinkonsums.

Die Verirrten – egal, wie sie tanzen, sie unterscheiden sich in Bekleidung und Tanzstil deutlich vom Rest der Besucher. Es ist klar zu erkennen, daß sie normalerweise woanders feiern und nur aus Versehen hierhergeraten sind. Vielleicht weil heute “Eintritt frei” ist?
Der Hektiker – Zappelt und zuckt hektisch, als ob er einen schlecht-isolierten Zitteraal mit sich führen würde oder gerade an einen elektrischen Schlag bekommen hätte. Verursacht beim Zuschauer Nervosität.

Der Rhythmusverweigerer – Verfehlt stets den Takt. Vielleicht tanzt er insgeheim zu dem Ohrwurm, der ihm seit zwei Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht. “Weeiiiii Emmm Ssssiiiii Äiiiiiii!…”

Der Animateur – hoppst hüftschwingend durch die anderen Tänzer hindurch, labert regelmäßig Leute an (die ihn aufgrund der Lautstärke kaum bis gar nicht verstehen) und klatscht dabei in die Hände, wie ein Vorturner im Ferienclub, der versucht die desinteressierten Urlauber zum Mitspielen zu animieren.

Der Choreograph – tanzt selbst wie ihm die Füße gewachsen sind, versucht aber seine Mittänzer zu überzeugen, daß der jeweils andere Tanzstil der Wummsability der aktuellen Beschallung nicht angemessen sei. Brüllt dir Dinge wie “Ey, wie lahm tanzt DU denn? Das ist doch echt krass geiler Sound.” ins Ohr.

Der Storch im Salat – eine Variante des Goaflummy – obwohl keine Pfützen menschlicher Hinterlassenschaften auf dem Boden zu finden sind, stakst der Storch durch die Menge der Tanzenden und wackelt dazu lustig mit dem Hintern.

Torkelfred – Er tanzt eigentlich nicht, er versucht nur, die Restmenge an Gleichgewicht nicht zu verlieren. Seine Bewegungen haben zu wenig mit der Musik, aber zu viel mit Alkohol zu tun. Es wird vermutet, daß ein Torkelfred auf dem Heimweg nur falsch abgebogen und deswegen in einem Tanzlokal gelandet ist. Mittanzende mögen Torkelfred nicht besonders, weil er regelmäßig umkippt und dann gegen eine andere Person prallt u/o versucht sich an dieser festzuhalten. Nicht schön.

Die Komatösen – bewegen sich überhaupt nicht, sondern sitzen oder liegen mit geschlossenen Augen in irgendeiner Ecke und lassen sich beschallen. Werden als Schaufensterpuppenersatz auf den Sitzmöbeln drappiert, um das Tanzlokal gut gefüllt zu präsentieren.

Die Geher – Sie gehen vor und sie gehen zurück, aber sie bewegen sich dabei nicht von der Stelle. Das Anheben von Armen ist bei diesem Tanzstil nicht gestattet, damit klar wird, wie schwer der Tänzer an der Last des Lebens zu tragen hat. Das Gesicht muß hier ausdrucklos bis depressiv sein, die Augen idealerweise geschlossen, damit man sich das Elend nicht ansehen muß.

Der Flughafeneinwinker – erinnert von den Armbewegungen an die Leute, die am Flughafen mit Hilfe von Fähnchen die Flugzeuge in die Haltepositionen dirigieren. Der Tanzstil kommt ohne die Fähnchen aus. Die muß man sich halt dazudenken. Das Flugzeug fehlt ja schließlich auch.

Die Tarantel – sitzt länger still und brav irgendwo herum, um dann plötzlich aufzuspringen, ein-zwei Minuten wild zu zappeln und gleich danach wieder still und brav herumzuhocken.

Das Tschilp – hoppst zwischen den Tanzenden hindurch, hat die Arme steil nach oben gerissen und wackelt mit den Händen in einer Art Flatterbewegung, vermutlich weil der Füllstand der Tanzfläche ordentliches seitwärts gerichtetes Flügelschlagen verhindert.

Die Verpackungskünstlerin
Schneidere dir aus einer Lacktischdecke ein Minikleid, in dem du dich nicht bewegen kannst und zieh dazu Schuhe an, in denen du nicht laufen kannst. Dann stell dich auf die Tanzfläche und versuch dazu eine Art Ausdruckstanz, der von Shiva inspiriert zu sein scheint. Das kann sexy aussehen, muß aber nicht. In jedem Fall ist es mutig.
Kuschelfred – Er hat alle Leute total voll lieb und möchte jeden knuddeln. Manche Leute wollen aber von ihm weder liebgehabt noch geknuddelt werden. Es bleibt schwierig.
LSD Ballerina – Ist eine Mischung aus Tschilp und Jogger, tanzt aber im Grunde nicht und wuselt nur wuselig durch die Tanzenden. Eine Variante davon malt auch schon mal mit bunter Straßenkreide Symbole auf den Bürgerstreig. Es besteht die vage Chance, daß der Teilnehmer ein kleines bisschen die Connectivity zur Realität verloren hat, manchmal auch dauerhaft. Harmlos bis nervig.

Goaschlumpf ist ein meist freundlicher Zeitgenosse, trägt meist eine lange bunte Zipfelmütze oder ebensolche Kapuzenjacke und tanzt ein bisschen so wie die Schlümpfe in der Zeichentrickserie. Niedlich. :)

Der Vertigogo-Boy (oder Girl) ist eine Weiterentwicklung den Brummkreisels, hat aber eine deutlich geringere Rotationsgeschwindigkeit und fuchtelt aber dazu viel virtuoser mit den Armen, fast so schön wie damals in der Ballettstunde. Natürlich fehlt auch noch das Tutu. Man muß aber wenigstens keine Angst haben, daß sich der Tänzer unangespitzt in den Tanzboden schraubt.

Die Suchende hat irgendetwas verloren und wippt nun mit Handy oder Taschenlampe bewaffnet über den Tanzboden, um selbigen abzusuchen. Auf Nachfrage kann sie nicht verständlich artikulieren, was sie denn verloren hat. Ihre Kontaktlinsen? Geld? Den Überblick? Falls sie nur des Suchens willens sucht, ist dieser Ansatz jedenfalls sehr sehr buddhistisch. Der Suchtanzstil ist übrigens sehr mitreissend. Manchmal finden sich spontan mehrere Leute, die ihn mittanzen. (Danke an Herrn P, daß er mich auf diesen Tanzstil aufmerksam gemacht hat.)

Der ebenfalls entdeckte Trippelfred macht nur ganz kleine Schritte, obwohl er keine Stöckelschuhe trägt. So trippelt er die ganze Nacht lang vor und zurück und auch mal zur Seite. Vielleicht sind auch nur die Schuhe eine halbe Nummer zu klein.

Stolperfred ist eigentlich kein Tanzstil, sondern dazu mutiert man automatisch je nach Beschaffenheit des Bodens und der Menge der konsumierten geistvollen Getränke. Die Stolperbewegung passt meist nicht mal ansatzweise zum Rhythmus der Musik. Das weibliche Pendant dazu heisst Stolperberta und Frau B kann das übrigens auch. :->

Der King of the Hüpfburg ist ein energiegeladener Partyteilnehmer, der eine Art Jumpstyle tanzt und dabei Haken schlägt, daß es jedem Osterhasen zur Ehre gereicht. Sieht meist noch ziemlich jung aus und hat seine Hüpfkoordination wahrscheinlich in jahrelangem harten Training in Hüpfburgen erworben. Menschen mit einer weniger trainierten Tanzmotorik wird es schon beim Zuschauen schwindelig.

Der Wedelmeister stampft dauerhaft mit einem Fuss auf und benutzt das andere Bein nur als Standbein. Dazu wedelt er stampfseitig mit der Hand als gelte es Wasser oder Krabbelviecher abzuschütteln. Dieser Tanzstil wird gerne in Erschöpfungsphasen verwendet, wenn man sogar zu müde ist, die Tanzfläche zu verlassen. Manche Teilnehmer beherrschen aber ausschließlich diesen Stil und praktizieren ihn mit großer Ausdauer.

Die Schulmädchen tanzen mit einem Schulranzen oder Rucksack auf dem Rücken und hopsen so, wie eben Schulmädchen auf dem Heimweg. Wichtiges Stilmerkmal dabei sind die nach innen geneigten Fußspitzen. Ein Schulmädchen auf einer Party ist nicht zwingend immer ein Mädchen.

Die virtuellen Indianer tanzen eine Art Regen- oder Stammestanz. Aus Sicherheitsgründen und aufgrund einschlägiger Vorschriften muß der Tomahawk und das Feuer zum Drumrumtanzenjedoch weggelassen werden. Manchmal erinnern diese Tänzer an unsere Cowboy-und-Indianer-Spiele von früher. Da es nach den Tänzen nicht immer regnet, ist der Tanz entweder wirkungslos oder die Herrschaften tanzen für etwas ganz anderes. Für die Beobachtung dieses Tanzstils danke ich Frau S aus L.

Der Hexenschießer tanzt so, als ob er ganz fürchterliches Kreuzweh hätte und sich nur unter strengster Missachtung seiner Gesundheit auf die Tanzfläche gewagt hat. Charakteristisch für diesen Tanzstil ist ein steifes Kreuz, leicht vorgebeugter Oberkörper und daß alle übrigen Bewegungen auf den Betrachter sehr mühselig und roboterhaft wirken.

Die Schmerzensreiche – hält sich mit beiden Händen den Kopf fest, als ob sie fürchterliches Kopfweh hätte oder der Kopf in jedem Moment wahlweise zu zerplatzen oder herunterzufallen droht. Der Rest des Körpers bewegt sich zur Musik.

Als Variante des Minimalisten möchte ich den überiridisch Klanggesteuerten vorstellen. Er schafft es den ganzen Abend ansatzweise zum Defaultwabern in der Musik zu tanzen und den Beat vollständig zu ignorieren. Besonders spannend, weil die Musik heute nacht fast vollständig ohne Defaultwabern auskam.

Ein neuer Typus ist die James-Last-Sparversion. Dabei wirken die angewinkelten Arme wie an einem Punkt im Raum fixiert, während der Rest Körpers sich bewegt. Erinnert stark an TV-Shows in den 70er Jahren, wo irgendein Orchesterdigirent Tanzmusik generieren ließ, während die Damen vom Fernsehballett die Beine schwangen.

Zum einen hätten wir da Rocky1-6, weil der Tanzstil ganz eindeutig von Rockys Boxtraining abgeschaut wurde und zwar den Teil, wo er auf jenes Trainingsgerät einprügeln, welches wohl Speedball genannt. Auf der Tanzfläche werden zum Glück keine Mittänzer verhauen, obwohl die Boxbewegungen schon Anlaß zur Sorge geben. Eng verwandt damit ist der Tanzstil Karate Kid, bei dem der Tänzer sich mit Handkantenschlägen seinen Weg durch’s Getümmel bahnt.

Dann gäbe es da noch den Halter den virtuellen Bauches, einem eigentlich schlanken Mitmenschen, die so tanzt, als ob er seine Wampe mit beiden Armen festhalten müsste und dabei regelmäßig über den nicht vorhandenen Schmerbauch streicht.

Der Scanner-Tänzer muss beim Tanzen dauernd seine Umgebung scannen und dreht den Kopf entsprechend ständig von links nach rechts und retour. Wenn der menschliche Kopf um die eigene Achse rotieren könnte, wäre das einfach perfekt. Dennoch sieht das einfach nur sehr sehr merkwürdig bis schwerst albern aus.

Ballet Surprise ist eigentlich kein Tanzstil, sonder eher etwas was einem zustossen kann… im wahrsten Sinne des Wortes, wenn ein Mittänzer oder Torkelfred gegen einen prallt und einen aus dem Konzept, Rhythmus und Gleichgewicht bringt.

Der tanzende Quadratmeter heisst so, weil er unabhängig vom Tanzstil maximal einen Quadratmeter zum Tanzen braucht, egal ob die Tanzfläche gähnend leer oder hoffnungslos überfüllt ist. Bevorzugt wird aber ein Tanzstil, der mit der Schrittfolge immer genau die vier Ecken des Quadrates bestampft.

Und noch eine Nachreichung vom letzten Mal ist der planlose Tourist – ein Teilnehmer der ziemlich desorientiert auf der Tanzfläche rumsteht, gelegentlich ein paar halbherzige Alibi-Tanzbewegungen macht und ansonsten den gleichen Eindruck erweckt, wie die anderen planlosen Touristen, die regelmäßig durch die Stadt irren und das Hofbräuhaus im Englischen Garten vermuten. Auf andere Partyteilnehmer reagiert er gar nicht und seine Gesichtszüge lassen auch nicht erkennen, ob ihm klar ist, WO er sich gerade befindet. Um das Bild perfekt zu machen, trägt er die ganze Zeit seine Winterjacke.

Der Sackhüpfer ist ein einfacher Tanzstil. Stell dir einfach Sackhüpfen ohne Sack vor. So hoppelt der Tänzer beidbeinig durch die Menge. Sieht genauso aus, wie man sich das vorstellt.

Der elektrische Ententanz ist die modernisierte Version des bewährten Klassikers. Aufgrund seiner geschmacklichen Grenzwertigkeit ist er glücklicherweise nur sehr sehr selten anzutreffen.

Der Deckenkratzer ist ein sehr großgewachsener Tänzer, der beim Tanzen auch noch die Arme in die Luft streckt und dabei an der Decke kratzt und zumindest dazu neigt, die in dieser Höhe montierte Dekoration nach unten zu reissen. Am besten erst dann ins Tanzlokal lassen, wenn man schon über den Abbau der Deko nachdenkt.

Die Skigymnastiker. In den 70er Jahren turnten Rosi Mittermüller und Co der Nation auf dem Fernsehbildschirmen zur besten Sendezeit etwas vor, um sie für die kommende Skisaison zu ertüchtigen. Heute turnen junge Menschen zur besten Partyzeit auf der Tanzfläche – genau die gleichen Bewegungsmuster. Leider habe ich kein Fitnessvideo im Charme der 70er zum verlinken gefunden. :-> Aber immerhin dieses Onlineangebot. So gänzlich unpassend ist der Tanzstil auch nicht, schließlich ist man ja die ganze Nacht auf der Piste. Muahahahaha!

Der Sortierer bewegt die Arme so, als ob er am Fließband Dinge in Pakete sortiert oder umpackt. Beim Tanzen sind diese Dinge natürlich virtuell und dazu bewegt sich der Tänzer rhythmisch im Takt der Musik.

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