Kandidiert gefälligst!

Dieser Post wurde 2012 im alten Blog bereits veröffentlicht und erschien auch bei Carta.

cropped-DSC_6605-1.jpgDer tatsächliche oder gefühlte Frauenmangel in der Piratenpartei führt angesichts diverser Vorstandsneubesetzungen oder Kandidierendenlisten für kommende Parlamentswahlen zu merkwürdigen Reflexen. Da wird von Personen jedweden Geschlechts gewettert, daß zu wenige Frauen überhaupt antreten und von denen auch nicht alle gewählt werden. Manchmal auch keine. Das ist blöd. Aber im Rahmen von demokratischen Wahlverfahren möglich und zulässig, eine gegebene Person nicht zu wählen. Sonst könnte man sich den ganzen Aufriß mit den Wahlen sparen und einfach per Losverfahren den Vorstand bilden und diesen paritätisch besetzen.

Das Wort “Wahl” ist bekanntermaßen Bestandteil des Wortes Auswahl und wenn ich (als Frau) von beispielsweise fünf Kandidatinnen alle auf die Liste wählen soll, fühle ich mich als Wählerin um mein Wahlrecht betrogen, weil ich ja keine Auswahl mehr habe. Soll ich ernsthaft eine esoterische Verschwörungstheoretikerin (willkürliches Beispiel) wählen, nur um den Frauenanteil in einem Vorstand oder einer Liste zu erhöhen? Geschlecht ist keine Leistung. Und erzähle mir bitte niemand, daß das dann etwas anderes sei, als die vielgescholtene Alibi- oder Quotenfrau. Ist es Sexismus, wenn niemand die beispielhafte esoterische Verschwörungstheoretikerin in Amt und Würden sehen möchte? Oder kann es auch im Sinne der Frauenmangelzustandsbeklagenden zulässig sein, sogar eine Frau aus sachlichen Gründen nicht zu wählen.

Hinsichtlich des passiven Wahlrechts werden die Anforderungen nicht wirklich besser. Ginge es nach einigen rigorosen Frauenanteils-Verfechter[inne]n, müsste jede Piratin automatisch für Ämter und Mandate zur Verfügung stehen und das ungeachtet der persönlichen Präferenzen. Das hat dann mit weiblicher Selbstbestimmung nichts mehr zu tun. Und ich (als Frau) möchte auch gerne selbst entscheiden, ob ich mich zur Wahl stelle oder nicht. Und dann bitte auch ohne dann von verschiedenen Seiten angemotzt zu werden, wenn ich mich dagegen entscheide. Es haben nicht zwingend alle, die sich politisch engagieren, ausreichend Spaß an Parlaments- oder Gremienarbeit. Es gibt bei allen Geschlechtern Personen, die ihrem “Brotberuf” den Vorzug geben und die Parteiarbeit in der Freizeit machen wollen. Das muß so akzeptiert werden und ich erwarte hier einfach mehr Respekt vor den persönlichen Entscheidungen anderer.

1 Comment

  1. Miranda

    Einer der Besten Beiträge,die ich zu diesem Thema lesen durfte.
    Danke

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