Die Nuckler
Nachdem mein alter Rucksack jüngst dem Gammel zum Opfer gefallen war, brauchte ich einen Ersatz und begann mit der Recherche. In den diversen Läden online und offline fiel mir auf, das es kaum noch Rucksäcke ohne diese hässlichen Trinkflaschenhaltenetze gibt. Viele Menschen legen aber seit einiger Zeit ihre Trinkflasche wirklich kaum noch aus der Hand, weil ja insbesondere dem modernen Menschen in der modernen Großstadt der Tod durch Dehydration immer dicht auf den Fersen ist. Ich vermute, aus ähnlichen Beweggründen fahren auch viele Großstädter Geländewagen.
Wie kommt's? Meine Vermutung: Nachdem uns die Industrie erfolgreich das Hungergefühl abtrainiert hat, ist inzwischen das Durstgefühl fällig. "Wenn Sie Durst haben, ist es schon zu spät!" heisst es da und es wird diagnostiziert, der eigene Flüssigkeitskonsum sei falsch und gesundheitsschädlich. Ich als Trinklaie wundere mich dann immer, wie die Menschheit einige Millionen Jahre Evolution ohne kontinuierliches Trinken nach Trinkplan erfolgreich bewältigen konnte. Neben Wasser und allen möglichen Wellness- und Wundergetränken kann man mit dem Trinkterror auch Trinkflaschen mit Nuckeleinsatz verkaufen und natürlich auch Rucksäcke mit hässlichen Trinkflaschenhaltenetzen. Eine Smartphone-App, die einen regelmäßig ans Trinken erinnert, bringt es übrigens auf über 500.000 Downloads. Die Nummer funktioniert also.
Der moderne Mensch ist also stets besorgt, dem spontanen Dursttod zum Opfer zu fallen und wähnt gar in der Fußgängerzone, die Geier über sich kreisen, gewillt ihm bei erster Gelegenheit, das ausgedörrte Fleisch von den Knochen zu reissen. Deswegen schleppen viele Zeitgenossen ständig Getränkeflaschen mit sich herum und nuckeln daran. Deswegen haben diese Pullen auch diese speziellen Nuckelaufsätze, die man früher nur bei Fahrradflaschen verwendete. Die Kaltmamsell erwähnte kürzlich, daß die Nuckler inzwischen sogar im Schwimmbad ihre Nuckelflaschen am Beckenrand deponieren. "Nimm dir etwas zu trinken mit!" mahnen Freunde. Dabei ist das Ziel keine anstrengende Wanderung in die menschenleere Einöde, sondern ein Stadtbummel. Mit Getränkebeschaffungsmöglichkeiten für nahezu jedes Budget an jeder Ecke!
Meine Vermutung ist, daß als nächstes das Atmen als neue Einnahmequelle entdeckt wird. Freuen wir uns auf hippes Belehrungsmarketing über richtiges Atmen, Atemhilfen, Atemapps und sicher auch Spezialatemluft in Flaschen. In Nischenbereichen gibt es das sicher heute schon, aber der Massenmarkt wartet.

Dieses Arrangement wirft viele Fragen auf...
In der Ferrari World Abu Dhabi (dazu gibt es später noch mehr hier zu lesen) gibt es Schilder und Hinweise in den Prospekten auf einen ominösen Ort namens "Baby Changing". Mysteriös! Kann man dort gar sein Baby umtauschen?
Wer kennt es nicht, das Laberschwert? Es ist eine preiswerte Variante des Laserschwerts und kann nichts, aber auch so wirklich gar nicht, ausser festgehalten werden. Notfalls könnte man es noch nach jemandem werfen. Deswegen ist es auch so unglaublich billig. Und weil der Laser nichts lasert, muss man seinem Duellgegner im Kampf um die Macht im Universum eben niederlabern oder schwindelig schwätzen oder totquatschen oder vollsülzen oder ihm ein Ohr abkauen. Möge irgendwas mit Euch sein!
So brachte Kollege S dieser Tage eine Musik-CD mit drei Titeln aus dem Biomarkt (!) mit, welche dort gratis am Kühlregal (!) zur Mitnahme auslag. Die CD ist ein Werbegeschenk, welches anläßlich des Umstandes verteilt wird, dass Tofu (!) in Deutschland jetzt seit 30 Jahren erhältlich (!) ist. Ja, Wahnsinn, solang kann man hier schon Sojaquark kaufen! Danke, ich fühle mich jetzt gerade sehr alt.


Das Konzept des Schönsaufens hat ja eine lange und mitunter sehr erfolglose Tradition. Gelegentlich sollen auch schon Ehen auf diesem Wege zustande gekommen sein, aber das will man vielleicht nicht gar so genau wissen. Jedenfalls bietet gerade die Politik allen Beteiligten immer wieder reichlich Anlaß diese Vorgehensweise in Erwägung zu ziehen. Dies trifft leider auch auf Bundesparteitage der Piraten zu, was aber leider ein eher strukturelles denn inhaltliches Problem darstellt.