Dieser Tage kam auf ARTE eine Dokumentation über das Wegwerfen von Lebensmitteln. Es wurde berichtet, dass in Ländern wie beispielsweise Indien, wo Hunger unter weiten Teilen der Bevölkerung durchaus ein Thema ist, viele Lebensmittel weggeworfen werden. Der Grund ist relativ einfach: Aufgrund logistischer Probleme wie Länge der Transportwege, Transport- und Lagertechnik verderben viele Lebensmittel wie Obst und Gemüse auf dem Weg zum Verbraucher. Da etwa Kohlköpfe mit Eselskarren im heissen Klima in Säcken transportiert werden müssen, landen laut dem Bericht 40% der Ernte auf dem Müll, weil das Gemüse beim Transport verdorben ist. Besonders bitter, da Indien ein fruchtbares Land ist und bei Gemüse mehrere Ernten im Jahr möglich sind.
In Europa ist das Wegwerfen von Lebensmitteln anders begründet. Supermärkte entsorgen Lebensmittel, die kurz vor dem Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums sind oder Gemüse, welches nicht mehr bestimmten Kriterien (z.B. Makellosigkeit) entspricht, weil beides (angeblich) kaum noch zu verkaufen ist. Ein Teil davon landet bei den Tafeln, anderes im Müll.
Ein Anlass, das mal für diesen Haushalt näher zu betrachten und das Einkaufs- und Wegwerfverhalten unter die Lupe zu nehmen. Grundsätzlich gehen wir selten ohne Einkaufszettel aus dem Haus. es werden aber trotzdem Dinge zusätzlich gekauft, die nicht auf dem Plan stehen.
Ein Grund für das Wegwerfen von Lebensmitteln ist sicher das abgelaufene Haltbarkeitsdatum. Essen wird gekauft und dann doch nicht gegessen und irgendwann ist selbst bei grosszügiger Auslegung der Haltbarkeit kein Verzehr mehr möglich. Selbst der gute Vorsatz einen Speiseplan für die ganze Woche aufzustellen und entsprechend einzukaufen, scheitert dann in der Umsetzung durch ungeplante Essenseinladungen, spontane Restaurantbesuche oder einfach daran, dass einem der Appetit (auf das Gericht) oder just an jenem Abend die Kochlust abhanden gekommen.
Manche Lebensmittel vergammeln schneller, als sie aufgegessen werden können. Ein Beispiel ist Frischkäse, der bisweilen recht flott streicheltauglichen Pelz ansetzt.
Die leidigen Packungsgrößen: Manche Dinge gibt es nur in Gebinden, die unserem Verbrauch nicht entsprechen. Dazu gehört auch der 2kg-Sack Möhren links im Bild. Gebraucht wurden eigentlich nur drei Karotten für ein Rezept, geringere Mengen waren nicht erhältlich, Einzelexemplare schon gar nicht. Hinzu kommt, dass ich selbst den Dingern als Gemüse, Rohkost oder Salat zubereitet nur relativ wenig abgewinnen kann. Meine Befürchtung ist also, dass auch relevante Anteile dieses Beutelinhalts im Abfall landen werden, ausser Herr P erbarmt sich des Wurzelgemüses. Eine denkbare Alternative wäre, solche Speisen nur dann zu kochen, wenn der Lebensmitteldealer die benötigten Mengen in geeigneter Dosierung bereithält.
Opfer der Entsorgung werden auch Lebensmittel, die man zum Probieren gekauft hat, die dann nicht lecker sind und die niemand aufessen mag. Gelegentlich kann man diese Dinge noch den Kollegen zum Verzehr aufdrängen, aber halt nicht immer. ;-)
Ein weiteres Phänomen ist die erstaunliche Tiefe des Kühlschranks. "Oh, da hinten wäre ja doch noch ein Joghurt gewesen! Jetzt hat er bald Geburtstag!" Seitdem ich den Kühlschrank einmal in der Woche vor dem Einkauf aufräume, sind hier weniger Müllkandidaten zu beklagen.
Wie sieht das bei euch so aus? Werft ihr häufig Lebensmittel weg? Aus welchen Gründen?
Ein paar weiterführende Links zum Thema: Heise.de - co2-handel.de - Scilogs.de