Zerbrochene Neuigkeiten
Gestern nachmittag zappte ich mich durch's Fernsehprogramm und kam wieder einmal zu dem Schluß, das eigentlich Schlimme an grippalen Infekten sei das Tagesprogramm im Fernsehen. Ich landete also zappenderweise just in dem Moment auf n-tv, als dort etwas über einen möglichen Amoklauf an einer Leipziger Schule berichtet wurde. Neben dem Sprecher war ein prachtvoller fetter Schriftzug "Breaking News" eingeblendet. Scheinbar macht man das heute so und "Eilmeldung" ist auch keine Begrifflichkeit, mit der man in diesen Zeiten noch einen Hund hinter dem Ofen hervorlockt.
Die Nachrichtenlage war ausserordentlich dünn. In der Schule sei ein Amokalarm ausgelöst worden. Die reguläre Unterrichtszeit sei schon vorbei. Ein zufällig in der Nähe filmendes Fernsehteam sei sofort herbeigeeilt. Man habe mit einer Schülerin gesprochen. Die habe gesagt, es sei ein Amokalarm ausgelöst worden. Dann hätte man nach meiner Auffassung seriöserweise sagen müssen "Wir melden uns, wenn es etwas Neues gibt!", aber das tat man nicht. Man machte weiter.
Den Rest der Zeit verbrachte der Moderator dann mit einem Telefonat mit einem Kollegen des erwähnten Kamerateams und dem verzweifelt wirkenden Versuch, Zeit bis zu einer wirklichen Meldung zu schinden. Und diese Schinderei war bemerkenswert. Es wurden circa zwei Fotos der Schule im Wechsel gezeigt und auch Satellitenaufnahmen des Schulgebäudes. Dann sprach man über Evakuierungspläne und posaunte mangels wirklicher Nachrichten dann gleich noch das Codewort hinaus, mit dem Amokläufe gemeldet werden. Dann verstieg man sich in Spekulationen, welche Hintergründe (!) ein möglicher (!) aber unbestätigter (!) Amoklauf wohl haben könnte.
Um meinen Genesungsprozess nicht zu gefährden, habe ich dann ausgeschaltet. Es bleibt dabei: Das eigentlich Schlimme an grippalen Infekten ist das Tagesprogramm im Fernsehen!
