Sonntag, 7. März 2010
Sergej Ratzmaninow, der Experte der Pirattenpartei für die Vorratzdatenspeicherung, meint "Daten sind wie Fingernägel, die wachsen immer wieder nach. Wer legt sich schon einen Vorrat an Fingernägeln an?"
Sonntag, 28. Februar 2010
Eine Gruppe von Frauen in der Piratenpartei hat eine eigene geschlossene Mailingliste gefordert/eingerichtet, in welcher nur Frauen angemeldet sein dürfen. Wie wird das festgestellt? Was ist mit biologischen Männern, die gerne eine Frau wären? Was ist mit biologischen Frauen, die sich als Mann fühlen? Sind die per Definition Frauen oder Nichtfrauen oder was? Führt der Versuch sich - durch in meinen Augen untaugliche Mittel - gegen tatsächliche oder angebliche Diskriminierung zu wehren, nicht wiederum zu Diskriminierung? Wer entscheidet eigentlich, wer eine Frau im Sinne der Mailingliste sein darf? Einladungen und Akkreditierungsverfahren?
Ich selbst sehe diese Form der Biotop-Bildung mit Verärgerung und Skepsis, den für mich bedeutet diese Form der exklusiven Beschränkung auf ein Merkmal - Geschlecht - einen selbst-organisatorischen Rückschritt, ein Transparenzproblem und ein Diskriminierungsproblem. Wenn ich gleichberechtigt behandelt werden will, darf ich auch selbst niemanden diskriminieren. Für mich war es ein Zeichen emanzipatorischer Reife, dass die Piraten bislang ohne diese unsägliche Kleinstaaterei ausgekommen sind. Ein Trugschluss?
Ein Argument ist, daß sich viele Frauen in einer gemischten Gruppe nicht trauen, sich zu äussern. Neben dem Aspekt, dass Schüchternheit als eine mögliche Ursache dafür kein geschlechtsspezifisches Phänomen ist, wäre es nicht sinnvoller die eigenen rhethorischen Fähigkeiten zu trainieren und möglichen (dummen) Einwürfen Paroli bieten zu können, statt sich in ein Reservat zurückzuziehen und weiterhin vor allem eines zu bleiben - draussen. Integration erzielt man nicht durch Abkapselung.
Es ist eigentlich ganz einfach:
- Niemanden wegen irgendwas diskriminieren/mobben/Gewalt aussetzen.
- Niemandem wegen irgendwas den Arsch hinterhertragen.
- Die eigenen Fähigkeiten für sich selbst zu sprechen und einzutreten, verbessern.
In allen drei Bereichen wartet ausreichend harte Arbeit. Vielleicht können wir da einfach weitermachen.
In diesem Zusammenhang verweise ich dann noch auf einen Artikel von Mela zu diesem Thema und auf einen älteren Artikel von mir selbst.
Mittwoch, 24. Februar 2010
Guido W. inszeniert sich nach meinem Empfinden neuerdings mit viel Nachdruck als eine Art Reverse-Robin-Hood. Er möchte den Reichen geben und den Armen nehmen. Die Leistungsträger der Gesellschaft möchte er wohl mit diesen markigen Sprüchen und einer megapeinlichen Inszenierung von seinen politischen Qualitäten (welche?) überzeugen. und nebenbei von ein paar kleineren Geldbeträgen ablenken, die kürzlich das Budget der FDP ein bisserl aufgemöbelt haben. Und Stimmung machen gegen diejenigen, die nicht das Leistungsträgergütesiegel tragen dürfen und um deren Lobby es traditionell sehr schlecht bestellt ist. Passend dazu zeigt das Fernsehen gerne Empfänger von sozialstaatlichen Transferleistungen, die öffentlich äussern, auf jedwede Erwerbstätigkeit "keinen Bock" zu haben. Die geifernde Rhethorik des Herrn W. zu diesem Thema lässt auch tiefe Blicke in dessen Persönlichkeit zu. Er versucht sich auf Kosten der Schwächsten zu profilieren. Und wem das Konzept des Fremdschämens bislang unbekannt war, dem dämmert allmählich wie einem andere Leute so richtig peinlich sein können. Und dieser Typ ist unser Vizebundeskanzler und Aussenminister.
Ach Guido, du finanzierst dich auch zu nicht unwesentlichen Teilen aus der Staatskasse und deine Nebeneinkünfte werden nicht angerechnet. Im Gegensatz zu einem Hartz-IV-Kind, wo das Kindergeld als Einkommen zählt, angerechnet und abgezogen wird. Saubere Sache. Ich fühle mich als erwerbstätige Staatsbürgerin auch maßlos ausgenutzt, Guido. Von dir. Sich als Privilegierter über die Unterprivilegierten zu erheben und denen schamlos zurufen "Ich bin gut, weil ihr Scheisse seid!" ... das ist mehr als schlechter Stil. Das ist einfach nur zum Kotzen. Ekelerregend. Unwürdig.
Link: Der Kabarettist Christian "Fonsi" Springer mal ganz unkabarettistisch zum Thema.
Dienstag, 23. Februar 2010
Dieser Tage wurde behauptet, dass beim Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nun doch alles gar nicht so schlimm sei. Man sei zum alten Anbieterbegriff zurückgekehrt. Das Gegenteil von "nicht so schlimm" ist der Fall. Man hatte lediglich festgestellt, daß der neue Anbieterbegriff so weit gefasst war, daß man kaum eine Chance hatte, Leute sinnvoll zu verklagen.
Eine schöne Zusammenfassung samt Kommentar zu dem geplanten Staatsvertrag, welcher am 25.02.2010 unterschrieben werden soll, gibt es bei Carta.
Der JMStV wird das deutsche Internet nach meiner Einschätzung schlagartig in eine Einöde verwandeln, weil kaum ein Anbieter das Risiko eingehen kann und will. Es hat sich dann ausgebloggt. Wer will schon für ein Hobby verknackt werden, nur weil Inhalte möglicherweise nicht ganz jugendfrei sind. Das Ende des benutzergenerierten Contents. Mehr Infos dazu bei Alvar Freude: Horrorkabinett der Jugendschützer und Die KJM ist viel gefährlicher, als es Zensursula je war.
Diese Woche finden deutschlandweit Mahnwachen vor den verschiedenen Staatskanzleien statt! Informiere dich! Nimm teil!
Mahnwache in Mainz: 24.02.2010
Mahnwache in München: 23.02.2010
Übersicht über alle Termine.
Sonntag, 21. Februar 2010
Silke schreibt über Stefan "Aaron" König, unseren Bundeskriegstreiber.
Ich erkläre hiermit, daß ich als Pirat mit den kriegstreiberischen Ansichten von Herrn König nicht konform gehe.
PAV jetzt und zwar wegen dem expliziten "Scheissen auf die Basis"!
Donnerstag, 18. Februar 2010
Neuerdings ist Zensur oder zumindest die Forderung danach scheinbar modern und legitim. Irgendwer glaubt neuerdings immer irgendwas oder irgendwen vor Bildern oder Informationen beschützen zu müssen und fordert weitreichende Sperrungen von fragwürdigen Inhalten. Kaum haben wir die Zensursula überstanden, droht uns nun mit dem neuen Jugendmedienstaatsvertrag neues Unheil. Aus technischer Sicht zweifellos von Personen gemacht, die das Netz nicht verstehen, droht uns hier ein Zensur-Szenario wohingehen die Bestrebungen der Zensursula-Ära wie ein Kaffeekränzchen anmuten.
Wie wäre es, mal zur Abwechslung über diese Inhalte zu reden und zu diskutieren, sich damit auseinanderzusetzen statt sie unzugänglich zu machen und es niemanden zu gestatten, sich darüber eine eigene Meinung zu bilden. Ich rede hier nicht von zweifelsfrei illegalen Inhalten, sondern von fragwürdigen. Warum werden die fragwürdigen Inhalte nicht wirklich einmal hinterfragt. Warum ist der gesellschaftliche Diskurs unerwünscht? Verschwinden Dinge, die ich nicht gut finde aus dieser Welt, indem ich einfach die Augen davor verschließe? Muß immer alles sofort unsichtbar gemacht und getilgt werden, was nicht in das Weltbild irgendeiner Gruppe von Menschen passt? Soll die zu schützende Jugend zu einem Haufen unkritischer ahnungsloser verpümpelter nasebohrender Scheisserchen erzogen werden? Oder liegen die Ziele dieser gewünschten Maßnahmen in Wahrheit doch ganz woanders? Missliebige Inhalte jedweder Art aussperren zu können oder die (privaten) Anbieter (freien Contents) so unter (gesetzlichen) Druck zu setzen, daß diese ihre Angebote einstellen oder abwandern. Was im Falle der unsäglichen Unterstützeraktionen der Politik für die "qualitätsjournalierenden" Holzmedien den leidenden Verlagen und ihren altehrwürdigen Geschäftsmodellen vermutlich ganz gut in den Kram passen würde, wenn das lästige Geschmeiss von der Internetfront an der Arbeit gehindert würde. Durch Hürden, die vorgeblich für etwas ganz anderes aufgestellt wurden.
Zum Thema, ob die Jugend durch die angeblich jugendgefährenden Inhalte überhaupt gefährdet wird, gibt es bei Meedia eine kluge Zusammenfassung.
Und eine rechtliche Beurteilung inklusive der Frage, ob der Jugendmedienschutz überhaupt irgendetwas schützt oder nützt findet sich bei RA Stadler.
Infos bei Golem.de, Isotopp, Princess und die aktuellen Aktionen der Piratenpartei.
Mittwoch, 27. Januar 2010
Herr Köhntopp hat mal wieder so recht.
Nebenbei, ich persönlich finde es ja auch immer erstaunlich, was alles jugendgefährend sein soll. Parteien, die für Gefälligkeiten Millionenspenden erhalten sind es offenbar nicht. Leider.
Und ich weiss mal wieder, warum ich Pirat bin.
Freitag, 15. Januar 2010
Das Leben darf keine Spuren mehr an einem selbst hinterlassen. Auf dem Weg durch die Stadt sah ich ein Konzertplakat mit Mireille Mathieu - faltenfrei - die Dame ist Jahrgang 1946. Auch Carmen Nebel, eine attraktive Dame und zehn Jahre jünger als Frau Mathieu wird für die Plakatwand mit Computerhilfe deutlichst verjüngt. Wie fühlt man sich wohl als derart retuschierte Person, wenn man zuerst das Plakat anschaut und dann sich selbst im Spiegel? Ich sage ja nichts dagegen, tagesformabhängige Pickel und Augenringe zu entfernen, aber jemandem viele Jahre gelebtes Leben aus dem Gesicht zu stehlen?
Was ist mit den Frauen, die sich für die Spuren, die die Geburt ihrer Kinder an ihrem Körper hinterlassen haben, schämen und andere Frauen, die in Sauna und Schwimmbad lästern und tuscheln "Wie sieht diiiie denn aus?" Und warum? Schauspielerinnen und Modells lassen ihre Kinder bei Kaiserschnitt holen, straffen den Bauch wohl noch im Kreißsaal, werden schon im Wochenbett von Heerscharen von Personal Trainern betüdelt und rennen kurz nach der Geburt schon wieder mit Traumfigur vor die Kameras. Den Rest erledigt die Bildmanipulationssoftware. Ein tolles Vorbild für die Mütter, die nach der Geburt mit ihrem Gewicht kämpfen und sich angesichts von solchen Kunstprodukten beständig minderwertig fühlen und mit ihrem Körper auf Kriegsfuß stehen. Die Reihe solcher Beispiele ließe sich nahezu beliebig verlängern. Mädels, lasst euch nicht verarschen! Diese Gestalten sind Produkte einer Bildbearbeitungssoftware und keine realen Vorbilder. Das sind nur Illusionen von Perfektion und nichts Echtes!
Ach ja und dann ist da noch die Frauenzeitschrift, die die gemeine Leserin nicht mehr mit Modelbildern belästigen will und trotzdem in der ersten Ausgabe ohne Models gleich eine Diät anpreist. Super! Irgendwie wollen sie es ja scheinbar doch hinkriegen, dass man sich schlecht fühlt. Beim Tüdelkram hat man dazu auch eine Meinung.
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Gestern war die mündliche Verhandlung zur Vorratsdatenspeicherung vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Klage ist die größte Sammelklage, mit der sich das BVerfG in seiner Geschichte befassen musste. Natürlich dient wie immer jegliche Überwachung nur unserer Sicherheit. Zumindest findet das die Bundesregierung. Die FDP inszeniert weiterhin die Mär von sich selbst als Datenschutzpartei und tut beständig das Gegenteil davon. Und die SPD ist jetzt plötzlich und unerwartet auf die Idee gekommen, daß die Nummer mit den Netzsperren sei doch ein bisserl eine dumme Geschichte gewesen.
Einen minutiösen Ticker über BverfG-Verhandlung findet ihr bei Netzpolitik.org.
Ausserdem einen Pressespiegel zum Thema.
Ausserdem noch viele Informationen beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.
Samstag, 12. Dezember 2009
Kürzlich titelte eines der in München erhältlichen Revolverblätter "Bischöfe verteufeln Weihnachtsmann!" - eine Schlagzeile, die für sich genommen schon recht amüsant ist. Gestern kam ich dann an einem der hiesigen Wirtshäuser vorbei, welches eine Art Miniaturschaufenster besitzt, wo gerne mal saisonale Dekoration anzutreffen ist. In dem Schaufenster befand sich ein Sortiment an Weihnachtsmännern aus Schokolade und mittendrin das Titelbild mit der erwähnten Schlagzeile. Sowas nenne ich mal eine humoristische Einlage. :-)
Mag ja sein, daß der heute übliche Weihnachtsmann ursprünglich eine Erfindung eines amerikanischen Getränkeherstellers zu Werbezwecken war, aber die Figur hat sich nicht nur verselbständigt, sondern ist auch ein sehr schönes Symbol für diese Jahreszeit. Wenn die Menschen mit der Figur nichts hätten anfangen können, wäre sie vermutlich nie so beliebt und allgegenwärtig geworden. Der Weihnachtsmann ist als Symbol für die meisten Menschen wohl auch viel greifbarer als das Christkind, selbst für diejenigen, die mit dem religiösen Hintergrund des Weihnachtsfestes nicht viel anfangen können.
Die Bischöfe versuchen wieder mal das Rad der Zeit anzuhalten, wenn sie es schon nicht zurückzudrehen können. Vielleicht sehen sich sie sich als Berufsgenossenschaft für den Hl. Nikolaus, der ja auch das Bischofshandwerk ausübte.
Mittwoch, 25. November 2009
So, immer noch ein paar wenige Mitzeichner. Petition zum Thema "Open Access" dh. freien Zugang zu wissenschaftlichen Werken, die mit Hilfe von Steuergeldern finanziert wurden.
Hier geht es zur Onlinepetition.
Deswegen haut mal rein. Spread the Word. Verteilt den Link. Erzählt eurer Familie, euren Freunden, Kollegen und Nachbarn davon.
Freitag, 20. November 2009
In Hessen pflegt man einen ganz besonderen Umgang mit Steuerfahndern. Den eigenen Job richtig gut zu machen, kann zum echten Problem werden.
Artikel in der Frankfurter Rundschau
"Kontrolle unerwünscht" (Hintergründe und Beteiligte)
Verleihung des Whistleblower-Preises.
Urteil gegen den psychiatrischen Gutachter.
Die beschriebene Vorgehensweise bestätigt leider meinen äussert schlechten Eindruck von einigen Herrschaften, die in Hessen am Ruder sind.
Dienstag, 17. November 2009
In der Netzeitung gibt es einen Artikel über den Mainzer Mediendisput zu lesen. In dem Artikel stehen viele interessante Dinge über die Zukunftsperspektiven der Branche drin und
auch die Erkenntnis, daß der Journalismus in einem Strukturwandel begriffen
ist.
Wer scheinbar leider relativ wenig begriffen hat, ist Herr Beck, von Beruf Ministerpräsident, der mal wieder die Nummer mit dem Qualitätsjournalismus aufwärmt. Sind damit nur die klugen Leute gemeint, die wirklich schlaue und reflektierte Dinge in Zeitungen schreiben oder auch der Schmierfink von nebenan, der zu faul zum Recherchieren ist und einfach ungeprüft groben Unfug behauptet, für den er dann auch noch bezahlt wird. Gerade die Berichterstattung über die Piratenpartei lässt diesen Eindruck stellenweise zu. Oder einfach nur das Gros der Schreiberszunft, welche mit brillanten Artikeln über Kleintierzüchter, Kunstgalerieeröffnungen und Baumaßnahmen vor Ort viele Bögen toten Holzes füllen und die Hälfte davon noch voneinander oder von den Nachrichtenagenturen abschreiben. Den Pulitzer-Preis gibt es dann halt doch nicht für den Artikel über die Jahreshauptversammlung irgendeines Gesangvereins.
Herr Beck möchte den Qualitätsjournalismus falls notwendig auch mit staatlicher Unterstützung sicherstellen. Das ist eine ausgezeichnete Idee, die natürlich unter gar keinen Umständen eine freie und unabhängige Presse in Gefahr bringt. Endlich gleichgeschaltete Qualität!
Ach ja, noch was zum Thema findet man bei Herrn Isotopp zu lesen.
Und zum Leistungsschutzrecht bei Heise und bei Futurezone. (Letzterer Link von Mela, danke!)
Montag, 9. November 2009
...ist ein historischer Tag tatsächlich schon zwanzig Jahre her. Es wird viel darüber geredet und geschrieben dieser Tage. Mir soll es aber an dieser Stelle um etwas anderes gehen: Würde die Mauer noch stehen, hätte ich sehr viele tolle Menschen vermutlich niemals kennengelernt.
Damals war ich gerade dabei mich aufs Abitur vorzubereiten. In eine Zeit persönlichen Umbruchs fiel dann noch der große Umbruch in der Welt. Ich finde das damals wie heute unglaublich spannend. Besonders das Silvesterfest 1989/1990 in Berlin am Brandenburger Tor war für mich wirklich beeindruckend. Keine offizielle Feier mit wichtig guckenden Schlipsträgern und salbungsvollen Reden, sondern nur mehr oder weniger spontan versammelte Menschen, die es mal richtig haben krachen lassen und erste gemeinsame Berliner Silvesterfest seit Jahrzehnten nicht daheim auf dem Sofa verbringen wollten. Und dass ich mittendrin und voll dabei gewesen bin, als es wirklich mal etwas zu feiern gab: keinen schnöden Jahres-, sondern einen Zeitenwechsel.
Ein kleines Stück Beton von der Mauer habe ich noch in ein Stück Seidenpapier gewickelt in einer Schachtel liegen. Als Minimahnmal.
Mittwoch, 4. November 2009
Es steht geschrieben, dass die neue Regierung das Urheberrecht stärken möchte. Dabei ist in dem Artikel explizit von den Verwertungsgesellschaften die Rede. Diese Gesellschaften mag ich nicht besonders, da sie selbst nichts "urheben" sondern nur "verwerten" und dann auch noch behaupten, sie würden die Interessen der Künstler vertreten. Zu den Verwertungsgesellschaften im weitesten Sinne rechne ich auch Plattenfirmen und Verlage.
Diese Gesellschaften stammen noch aus einem Zeitalter, wo man als Künstler (sagen wir mal Schriftsteller oder Musiker) darauf angewiesen war, jemanden zu finden, der die eigenen Ergüsse potentiell profitabel genug fand daraus eine Schallplatte oder Buch zu machen und auf diese Weise nicht nur den Marktzugang kontrollierten, sondern auch den Massengeschmack bestimmten. Wer an diesem Filter nicht vorbeikam, hatte es verdammt schwer. Der Traum (fast) eines jeden Musikers war entdeckt zu werden und dann einen Plattenvertrag zu bekommen.
Heute ist das anders. Musiker und Schriftsteller sind nicht mehr zwingend auf die Unterstützung der Verwerter angewiesen. Jeder kann seine Kunst über das Internet publizieren und das Publikum entscheidet, ob ihm die Kunst gefällt. Wer den Geschmack von niemandem trifft, wird seine Kunst einfach weiterhin nur zum Privatvergnügen erzeugen. Für das Publikum und die Künstler fällt allerdings die (geschmackliche) Bevormundung der Zwischenhändler weg, die entscheiden, was auf den Markt kommt und was nicht. Die Zwischenhändler verteidigen ihre Einkommensquelle jedoch mit Zähnen und Klauen und schrecken auch nicht davor zurück, durch Lobbyarbeit Einschränkungen von Grundrechten durchsetzen zu wollen. Oder wie in Frankreich kürzlich geschehen durchzusetzen.
Bleibt die Frage nach der Honorierung der Künstler durch die Konsumenten. Ich persönlich gebe lieber einem Künstler mehr Geld für den Konsum seines Werkes als noch eine Verwertungsgesellschaft mit "durchzufüttern".
Ich würde mir wünschen, daß sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und tatsächlich ergebnisoffen über die Optionen zu diskutieren.
Mehr zu Thema:
Ein interessantes Interview zum Thema in der Süddeutschen.
Rick Falkvinges offener Brief an die Musikindustrie (Übersetzung im Blog Dampfmaschine)
Wikipedia-Artikel zum Thema Raubkopien
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