Mittwoch, 11. Juni 2008
Bei (hoch)sommerlichen Temperaturen mit Kompressionsstrümpfen herumzulaufen ist ohnehin nur sehr eingeschränkt vergnüglich, aber noch viel weniger amüsant ist die Tatsache, daß Sanitätshäuser gerne mal dummes Zeug erzählen. Zum Beispiel "Sie brauchen eine Maßanfertigung. In ihrer Größe gibt es keine Konfektionsware." Aber die mündige Patientin ist ja heute in der Lage eine Suchmaschine zu bedienen und fand dadurch auch Abmeßanleitungen und Größentabellen und siehe... es gibt doch Konfektionsware. Sogar für den Strumpf meines geringsten Mißtrauens. Und da nach meinem Empfinden die Maßanfertigungen von "sitzt wie angegossen" eh weit entfernt sind und nur die Größe als Grund für die Maßanfertigung genannt wurde, riskiere ich es einfach und bestelle mir zumindest mal ein paar Backupstrümpfe von der Stange. Auch spannend ist die Frage, wieviel sinnlose Zusatzkosten Patienten und Krankenkassen durch diese Strategie aufgebrummt werden. Unabhängig davon, daß ich eh den Verdacht habe, daß eine Maßanfertigung vor allem darin besteht, in einen Strumpf von der Stange ein anderers Wapperl einzunähen und mindestens den doppelten Preis zu verlangen.
Donnerstag, 15. November 2007
Mousepads als Werbeträger sind ja schon lange bekannt und beliebt. Das bewahrt jedoch nicht vor geschmacklichen Entgleisungen, wie ich dieser Tage im Behandlungsraum des Arztes feststellen durfte. Zwar läßt es sich über Geschmack trefflich streiten, aber die Abbildung von verschiedenen Stadien einer fürchterlichen Venenerkrankung, die sich langsam an die Hautoberfläche durchfrisst, ist sicher grenzwertig. Lecker! Das Pad war übrigens die milde Gabe eines Pharmaherstellers.
Mittwoch, 14. November 2007
Im ersten Winter in München fing es im November an zu schneien und der Winter wurde sehr lang und sehr kalt. Gerade schneit es und wir haben mal wieder November. Es ist also an der Zeit, die dicken Socken zu sortieren und die Schuhbestände auf die Schneetauglichkeit zu überprüfen. Und auch ohne streikende Logführer wird die S-Bahn heute sicher wieder vor der ein oder oder anderen Schneeflocke scheuen. Gestern stolperten wir beim Zappen über eine Sendung zum Thema Traumdeutung. Die Interviewte in dem Beitrag träumte, sie wäre im Zug oder ein Zug und rätselte über die Botschaft dieses Traums. Zur Illustration wurde eine S-Bahn gezeigt, die gerade in einen Bahnhof einfährt. Ich rate mal, daß jemand der träumt, er sei eine S-Bahn, große Angst davor hat, unpünktlich zu sein. Die eigentlich schlechte Nachricht sind aber, daß ich mir eine Volkskrankheit in Form einer gediegenen Venenschwäche zugelegt habe und ab jetzt Kompressionsstrümpfe tragen muß. :-( Mahlzeit!
Donnerstag, 6. September 2007
Das ist mein Lieblings-"Blauer Fleck" und das Ergebnis grobmotorischen Herumturnens an Bord, wobei ich mehr als einmal diese Stelle gegen eine Art Regenrinne über einem der Bullaugen knallte. Welches sozusagen auf meinem Arbeitsweg lag, wenn ich ein bestimmtes Ding aus Seilen und Flaschenzügen, (auch bekannt als Backstag) von A nach B bringen mußte, je nach Position des Großsegels. Ich deklariere das einfach mal als ehrenhafte Matrosenverletzung.
Freitag, 6. April 2007
Mein Vertrauen in die Ärzteschaft hat letzte Woche einmal wieder gelitten, nachdem ich den turnusmäßigen Besuch beim Gynäkologen hinter mich gebracht hatte. Die Dame machte eine gründliche Anamnese. was eigentlich eine gute Sache ist. Leider scheint es um die Gedächtnisleistung der guten Frau aber sehr schlecht bestellt zu sein oder um ihre Finanzen. Stell dir also vor, du fragst deine Ärztin nach einer Maßnahme zur Verhängnisverhütung und stellst hinterher bei einer halbwegs gründlichen Recherche im Internet fest, daß just die vorgeschlagene Maßnahme (Hormonspirale) bei dir kontraindiziert ist. Interessanterweise ist die vorgeschlagene Methode die teuerste auf der Liste und auf Anfrage im Bekanntenkreis erfahre ich auch, daß Frauenärzte seit einiger Zeit ganz scharf darauf sind, die Teile zu verticken. Offenbar ist die Gewinnspanne recht üppig. Vielleicht zahlt auch der Hersteller ordentliche Provisionen. Oder beides. Und für die Behandlung der durch die Anwendung verursachten Beschwerden kann der Arzt dann auch wieder Geld verlangen. Die Frage ist, ob sich soviel Geschäftstüchtigkeit überhaupt mit dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient verträgt und was ich angesichts potentiell gesundheitsschädlicher Vorschläge von den sonstigen Äußerungen und Vorschlägen der Frau Doktor halten soll, zumal die Gründe die nach meiner Recherche gegen die Anwendung sprechen in anderem Zusammenhang vorher in der Sprechstunde Gegenstand der Beratung waren. Auch spannend: Vor dem Gespräch mit der Ärztin wurde Blutdruck gemessen und von der Arzthelferin einige Dinge wie Allergien und ähnliche Gebrechen abgefragt. Dann legte man mir einen Wisch vor, wo ich unterschreiben müsse, daß ich diese und jene kostenpflichtige Zusatzleistung wünsche oder nicht eben nicht wünsche. Die Frau Doktor erklärte mir später, sie sei von den Krankenkassen dazu verpflichtet. Eine spätere Rückfrage bei meiner Krankenkasse ergab, daß die so eine Unterschrift nicht verlangen und auch nicht wüssten, wozu das gut sein soll. Im Katalog der kostenpflichtigen Zusatzleistungen von Frau Doktor war auch von anderen Untersuchungsmethoden im Hinblick auf die Vorsorgeuntersuchung die Rede. Die Dame erläuterte mir, dass das Verfahren, welches zur Analyse des Abstrichs angewandt wird und welches die Kassen bezahlen schon 70 Jahre (?) alt und total ungenau sei und überhaupt hätte sie hier einen total tuffiges "Thin Prep Verfahren" anzubieten, das sei extrem genau und müsste allerdings von mir selbst bezahlt werden. Dazu gab es ein schickes Infoblatt mit einem Vergleichsfoto wie aus der Waschmittelwerbung, um der Patientin zu suggerieren, daß sie mit dem Test den die Kasse bezahlt, eigentlich dem Tode geweiht ist. Ist so ein Verhalten inzwischen eigentlich allgemein üblich oder bin ich nur an ein besonders seriösitätsarmes Exemplar geraten?
Mittwoch, 28. März 2007
Heute mittag pünktlich um 12 Uhr war ich zur Nachkontrolle zum Hautarzt einbestellt. Die ganze Prozedur dauerte geschätzte 2 Minuten, das Warten darauf in einem prall gefüllten Wartezimmer geschlagene 40 Minuten. Praktischerweise gab es da auch nur "Special Interest"-Magazine zu lesen, wie beispielsweise eine Zeitschrift über Digitalfotografie oder "Schöner Wohnen". Letzteres fand ich angesichts des diskreten Charmes der 80er in den Praxisräumlichkeiten besonders spannend, konnte sich der angeödete Patient doch Gedanken machen, wie man das leichte Sperrmüllambiente durch etwas modernes geschmackvolles ersetzen könne. Das eigentliche Ärgernis war jedoch die Wartezeit. Ärzte stopfen sich gerne das Wartezimmer voll und arbeiten den Patientenberg dann ab. Ist ja nicht deren Lebenszeit, die im Wartezimmer verplempert wird. Ich sage ja nichts gegen die Bevorzugung von Notfällen, aber systematische Überbuchungen zum Nachteil der Patienten sind nicht akzeptabel. Bescheidenes Zeitmanagement übrigens auch nicht. Da die "14 Tage Abheilzeit" heute überraschenderweise schon nach vier Tagen vorbei waren, liegt die Vermutung nahe, daß der Onkel Doktor das Zeitthema wirklich nicht in Griff hat. Das erspart mir weiteres nutzloses Rumhocken und für meine übrigen Hautprobleme suche ich mir einen anderen Arzt, der die Uhr lesen kann.
Sonntag, 25. März 2007
Seit Jahren trug ich mitten auf der Stirn eine Art Pickel spazieren. Da dieser in letzter Zeit wieder frühlingshaft erblühte, entschloß ich mich zu einem Besuch beim Hautarzt. Jetzt weiß ich, daß ich die böse Hexe bin, der Pickel war nämlich eine Viruswarze. Der Arzt hat das Ding dann zügig mit einer Art Lötkolben entfernt, was neben einem ekeligen Geräusch auch noch ekeligen Geruch verursachte. Dann hieß es ich dürfe mich 14 Tage lang nicht waschen. Zum Glück für meine Mitmenschen bezieht sich das Waschverbot nur auf die behandelte Stelle, die zum Schutz mit einem kleinen runden Pflaster beklebt wurde und weswegen ich jetzt meinen eigenen Resetbutton besitze. Derartig verziert ging es dann heute Nacht nicht zum indisch essen, sondern zum indisch tanzen. Das war allerdings kein Bollywoodspektakel, sondern eine "Goa & Trance"-Party in der Kultfabrik am Münchner Ostbahnhof. Leider gibt es zZ keine einfarbig bunten Kinderpflaster mehr zu kaufen, sondern nur noch solche mit Motivdruck. So musste ich auf den stilecht roten Punkt auf der Stirn verzichten. Ein Pflaster mit Giraffenmotiv erschien mir für den Anlaß nicht angemessen. Gesundheitlich bedenkliches gab es dann auch im Club zu bestaunen. Eine eher unterernährte junge Dame hatte mit alkoholinduzierter Übelkeit zu kämpfen und übergab den Cocktail wieder in das Glas, aus dem er gekommen war. Ihren männlichen Begleiter schien das nicht weiter zu beunruhigen. Er gab seinem schwindsüchtigen Hascherl lieber ein Bussi auf den Kotzemund. Lecker!
Freitag, 25. November 2005
Im Zuge meines gallensteinigen Wegs durch diesen Sommer wurde mir ein Stent eingesetzt und der sollte jetzt raus. Gemäß dem Motto "Zwei Ärzte, drei Meinungen" ging das hier in München auch nicht ambulant wie andernorts behauptet, sondern nur stationär. (Ist ja nicht so, daß man genug zu tun hätte und man die meiste Zeit im Krankenhaus eh nur dumm rumliegt und auf irgendwas wartet.) Nachdem man mir dieses Ding per ERCP aus dem Gallengang gezogen hatte, ging der Spaß erst richtig los. Ich habe die Narkose nicht vertragen und diverse Kotzschälchen befüllt. Zwischendurch hat sich noch mein Kreislauf verabschiedet und das fühlt sich extrem seltsam an, vor allem wenn Klinikpersonal plötzlich hektisch um einen rumwuselt und das eigene Hirn nur noch in Zeitlupe arbeitet. Und da aller guten Dinge drei sind, war meine Bauchspeicheldrüse der Ansicht dieses ewige Rumgerühre in meinen Innereien mit heftigem Rumgezicke quitiierten zu müssen.) Also wieder Bettruhe, Infusionen und warten. Komischerweise kommt alle paar Minuten einer ins Zimmer um zu gucken, ob man noch lebt. Dabei möchte man eigentlich nur schlafen. Meine Venen haben inzwischen auch eine eigene Meinung zum Thema Blutabnehmen und haben sich jedesmal zügig verdrückt, sobald jemand mit einer Nadel und diversen Leerspritzen an mein Bett trat, was bei dem armen Jungarzt, den man für's Blutabzapfen eingeteilt hatte, leichte Verzweiflung auslöste. ;-)
Gestern mittag gab es dann wieder mal ein Highlight der gehobenen Klinikgastronomie. Als Suppe ein graues Etwas, was aussah wie schon mal gegessen und völlig geschmacksneutral war. Als Hauptgang dann "OP-Abfälle, überbacken", die sich dann aber nur als ungewürzte Variante eines Blumenkohlgratins herausstellten. Glücklicherweise hatte ich den Survival-Pfeffer-u-Salz-Streuer mitgenommen. Immerhin war der Kuchen brauchbar. (Frage an die Wissenschaft: Warum bekomme ich immer Maracuja-Joghurt im Krankenhaus? Ich hasse Maracuja!) Fazit: Ich hoffe diese Gallengeschichte ist jetzt endlich komplett über die Bühne. Das hat mir das Jahr 2005 ziemlich vermiest. Und Krankenhäuser will auch keine mehr von Innen sehen.
Samstag, 20. August 2005
In der Uniklinik liegen auf den Stationen Gratisexemplare des Mannheimer Morgen für die Patienten aus. Der MaMo ist unter den Provinzblättchen sicher nicht das Käsigste, allerdings kommen einem der Lektüre mancher Beiträge schon gewisse Zweifel. Am 17. August 2005 stand dort zu lesen: 
Hier drängen sich dem gebeutelten Leser nun folgende Fragen auf:
- Wie sauer ist die Saure Gurkenzeit in diesem Jahr?
- Habe ich den Artikel übersehen, in dem steht, daß in China ein Sack Reis umgefallen ist?
- Hat Wilhelm Tell bleibende Schäden in der Weltgeschichte hinterlassen?
- Bin ich im falschen Film?
- Darf man bei Patienten nach frischer Bauch-OP Lachkrämpfe auslösen?
- Warum wirft niemand mit Birnen nach Redakteuren, die sowas schreiben bzw. drucken lassen?
Ich glaube, ich werde heute irgendwelches überflüssige Gerümpel in den Müll werfen und dem MaMo die Exklusivrechte für die Berichterstattung verkaufen. Vielleicht kann ich davon ja den Umzug finanzieren. ;-) Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir: Abgelaufener Joghurt skrupellos weggeworfen oder Altpapier in Käfertal ordnungsgemäß entsorgt oder Frau B schneidet ihre Fußnägel oder Achselhaarspliss - Bedrohung für den Weltfrieden? In diesem Zusammenhang fiel mir dieses Bild wieder ein, was mal vor einer Weile auf diversen Jokesverteilern und Witzbildwebseiten kursierte: 
Wobei mir einfällt, daß ich noch Äpfel einkaufen wollte...
Die Mannheimer Uniklinik verfügt über eine parkartige Begrünung und einen kleinen Teich. Deswegen finden sich dort auch einige Wasservögel und auch Tauben. Letztere sind aber im Gegensatz zu den Innenstadt-Tauben in den Quadraten in zumindest augenscheinlich gutem gesundheitlichen Zustand. Es fehlen keine Gliedmaßen und das Gefieder sieht auch viel besser aus. Leider hinterlassen auch gesündere Tauben ihre Gackseln. Zur Taubenabwehr hat man mit Kabelbinder schwarze Plastikraben am Geländer befestigt, die zu diesem Zweck verkauft werden. Leider stören sich die Tauben an den Rabenkrähen überhaupt nicht. Zum einen, weil die Viecher nicht doof genug sind. Zum anderen, weil in der Natur auch Rabenkrähen und Tauben sich den Lebensraum teilen und sich recht wenig an einander stören. (An dieser Stelle ein gerechtfertigter Gruß an Herrn A aus M, der in einem "verrabten" Haus lebt und gelegentlich echte Rabenkrähen und echte Tauben friedlich nebeneinander auf den Dächern der Umgebung beobachtet und sich dann gerne über seine Nachbarn kaputtlacht.) 
Allerdings stellt man sich auch eine andere Frage, wenn man so dahinsiechend im Krankenlager liegt. Bedeutet die Montage solcher Aasfresser oder Totenvögel vor Krankenzimmern eventuell noch etwas anderes? Möchte einem das Klinikum an dieser Stelle etwas bestimmtes über die Vergänglichkeit mitteilen? Ein Memento Mori für die Patienten?
Der schlurfende Gang Wer als gesunder Mensch in ein Krankenhaus geht um dort einen der Insassen zu besuchen, wundert sich, warum die meisten Leute dort schlurfend gehen, auch wenn sie möglicherweise keine Gebrechen haben, die eine solche Gangart rechtfertigen würden. Die Ursache dieses Phänomens liegt jedoch zum einen an dem bei Krankenhausaufenthalten üblichen Schuhwerk (Schlappen oder Badelatschen), welches aus Sicherheitsgründen nur eine schlurfende Gehweise zuläßt. Zum anderen an der schlurfgangfördenden Umgebung. Wenn man den ganzen Tag nur rumliegt, gestochen, infusioniert, blutentnommen, geultraschallt, narkotisiert wird, KANN man irgendwann einfach nicht mehr normal laufen. Zu Hause übe ich jetzt wieder den aufrechten Gang, um am Montag im Büro nicht den Eindruck eines Siechen zu erwecken. Krankenhauskost Mein Lieblingsthema. ;-) Das Essen dort leistet sicher auch seinen Beitrag zur Verschlurfung des Gangs. Inzwischen kann ich jedoch schon einige differenzierte Erkenntnisse verbreiten. Zum Beispiel über die verschiedenen Saucen, die zu den Mahlzeiten gereicht werden und sich primär nur in der Farbe unterscheiden. (Wahlweise: undefinierbare weiße Sauce, undefinierbare hellbraune Sauce, undefinierbare dunkelbraune Sauce und Paprikasaucenimitat). Mein Survivalkit (Salz-Pfeffer-Streuer) hat mir wirklich gute Dienste geleistet. ;-) Auch nicht schlecht: Man bekommt fünf Scheiben Brot gereicht, aber nur 2 Scheiben Brotbelag, von denen eine Scheibe aus der allseits beliebten öligen Wurst besteht. In einer Infobroschüre des Klinikums steht übrigens zu lesen, daß man den Leuten gesunde Ernährung vermitteln will. Leider hatte ich da gerade keinen Stift zur Hand, diese Form der Realsatire entsprechend zu kommentieren. Aber an einer Stelle funktioniert die Ernährungsumstellung: Der defekte Eisautomat im Foyer nahm nur das Geld entgegen, rückte jedoch kein Eis als Gegenleistung raus. Da der Ärger danach jedoch schlecht für den Blutdruck ist, dürfte dieses Verfahren auch keine Zukunft haben.
Ich habe mal wieder dem Uniklinikum Mannheim einen Besuch abgestattet, diesmal jedoch geplant und diesmal haben die Herrschaften meine blöden Gallensteine und die Gallenblase gleich dabehalten. Halt, die Gallensteine habe ich mitbekommen, allerdings diesmal in einem Plastikröhrchen. Siebzehn Stück haben mir das Leben schwergemacht. Hier mal ein Bild von so einem Schätzchen...

Hoppla, das war doch glatt das falsche Foto. *hüstel* Dieser Stein lag mal in der Dordogne. ;-) Hier nun die richtigen Gallensteine in modischem Safrangelb.

Statt der Steine habe ich jetzt vier kleine Löcher auf dem Bauch, darf aber immerhin schon wieder duschen und danach werden die Pflaster gewechselt. Das ist schon ein Fortschritt zu früher, wo man nach so einer Gallenblasenentfernung ziemlich lange mumienartig bandagiert wurde. (Mumifiziert hätte ich jetzt beinah geschrieben...) Narkosen sind auch ein Erlebnis, von dem man allerdings naturgemäß recht wenig hat. Erst hinterher, wenn es einem lustig schlecht wird und man diese nierenförmigen Papp-Schälchen braucht. Mit etwas Geschick schafft man es zwischen zwei Kotzanfällen nach der Schwester zu klingeln. Leider kann man sowas nicht vorher trainieren. Kleine Plauderstunde kurz vor der Narkose: Arzt: Frau B, sind Sie außer gegen [...] noch gegen irgendwas allergisch? Frau B: *aufzähl* ... und Sellerie, aber Sie werden mir wohl kaum eine Sellerie-Infusion verabreichen?! Arzt: Nee, davon sind wir inzwischen wieder abgekommen. (Obwohl die sich nach einer Sellerie-Infusion die Chemie-Narkose bei mir hätten sparen können, das Zeug haut mich auch so vom Stangerl. In der Schule bekam ich im Kochkurs mal den Auftrag eine Sellerieknolle zu zerteilen. Ich machte einen Schnitt durch die Knolle und als ich wieder "zu mir kam", saß ich auf dem Sofa und weiß nicht wie ich da hingekommen bin. Allein der Geruch ließ mich aus den Latschen kippen.) Diesmal haben die Herrschaften meinen rechten Arm übrigens verschont mit experimentellen Blutabnahmen. Nach dem letzten Aufenthalt hatte ich ca. 2 Wochen blaue Flecken von mißglückten Einstichversuchen. ("Ach, wir finden da sicher eine Vene! *stech* Oh, doch nicht. Tut mir leid!") Die Androhung von körperlicher oder juristischer Gewalt kann hier mitunter hilfreich sein. ;-) Jetzt darf ich noch einige Tage eine Mixtur aus Schmerztabletten einwerfen und die nächsten sechs Wochen keine Gewichte über 5kg heben. Sport ist auch erstmal nicht angesagt. Aber wenn einem schon das Bücken schwerfällt kommt man auch nicht auf solche Ideen. Hinsichtlich der Umzieherei müßen wir uns jedoch etwas einfallen lassen.
Samstag, 23. Juli 2005
Um in den Genuß von Gallensteinen zu kommen, muß man sich natürlich qualifizieren. Die Qualifikationen nennt man in der Medizin Risikofaktoren und nach der Diagnose habe ich Tante Google gefragt und demnach gibt es die 5 F (manche Quellen sprechen auch von 6F).
1- Female (weiblich)
2- Fair (blond)
3- Fat (Übergewicht)
4- Fertile (Fruchtbar)
5- Forty (Vierzig Jahre)
und 6-Family (Genetische Ursachen)
Ich bin ein Blondchen, ein Moppelchen, weiblich, gehe auf die Vierzig zu und in der Familie liegt es auch. Ich bin überqualifiziert. *seufz*
Freitag, 22. Juli 2005
Ich bin steinreich. Zumindest was meine Gallenblase betrifft. Nach neuerlichen Koliken trieb es mich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder in die Klinik. Diesmal mit Notfallköfferchen und per Taxi, man kann ja nie wissen. Eigentlich war für Mittwoch 9:30h ja eine Magenspiegelung angesetzt, weil die Doktoren bei der Untersuchung am Dienstag morgen vermutet hatten, ich hätte mir nun zu allem Überfluß noch eine Gastritis angelacht. Zum Glück war in der Notaufnahme (langsam mein zweites Zuhause, ächz) sehr wenig los und ich wurde zügig in eine Kabine verfrachtet. Das übliche Prozedere: Blutproben und Ultraschall. Als der Arzt mein großzügiges Angebot den Ultraschall selbst durchzuführen (ich kenne das inzwischen leider recht gut) annehmen wollte, habe ich dann doch gekniffen und gallenbedingte Unpässlichkeit vorgeschoben. ;-)
Wie vermutet haben die mich dann gleich dabehalten (irgendwelche Blutwerte waren seit dem Morgen schlechter geworden) und am nächsten Tag hatte ich mal wieder das Vergnügen mit einer ECRP, welche mir ein Plastikröhrchen im Bauch (stent) bescherte und die Information, daß es wohl einen kleineren Geröllabgang gegeben hatte, der aufgrund einer Verengung des Gallengangs nach der letzten Steinentfernung diesen verstopfte und das hatte dann die neuerlichen Koliken verursacht.
Also doch keine Gastritis. Immerhin. Wenigstens etwas.
Allerdings kann man mit guten Schmerzmitteln trotz Koliken noch wichtige Termine wahrnehmen ohne gänzlich neben sich zu stehen. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Allerdings wird dies wegen lustiger Risiken nicht zur Nachahmung empfohlen.
Resultate: OP-Termin vorgezogen, der Geröllcontainer samt Inhalt wird entfernt. Dann darf ich auch endlich wieder Kaffee trinken.
Warnungen: Wer schlecht sichtbare Venen an den Armen bzw. Händen hat sollte das anstechen derselben nur erfahrenem medizinischem Personal überlassen und den Anfängern lieber gut sichtbare Venen anbieten. Falls man diese Warnung nicht beherzigen kann oder will: Heparinsalbe hilft hinterher etwas, die Schäden zu beseitigen. ;o) An meinen rechten Arm wird sich jedenfalls kein Student (oder dergleichen) mehr versuchen dürfen.
Essen: Mein liebevoll gemeckerter Beschwerdezettel hat die Küche wohl nie erreicht. *verschwörungstheoriebastel* Unter fettarm versteht man statt drei Scheiben öliger Wurst nur zwei Scheiben zu reichen. (Gilt analog für vollfetten Käse). Heute habe ich zum Abschiedsessen dann endlich ein fettarmes Mittagessen bekommen. Die Sache hatte natürlich einen Haken. Es war auch nicht gewürzt und schmeckte wie eingeschlafene Füße. Deswegen habe ich mir heute bei einem Versand für Outdoorbedarf einen reisetauglichen Salz - und Pfefferstreuer bestellt. Der nächste Klinikaufenthalt ist ja schließlich schon abzusehen. ;-) Survivaltraining im Krankenhaus. Bleiben Sie gesund trotz Klinikmampf!
Montag, 18. Juli 2005
Am letztenSamstag haben Freunde von uns geheiratet und auch ein richtig cooles Fest geschmissen. Da viele Anwesende (Hobby-)Musiker oder Musiklehrer(innen) sind, war die Qualität des musikalischen Rahmenprogramms ziemlich hoch.
Leider stellen Hochzeitsessen für kalorienbewußte Menschen eine echte Herausforderung dar. Da gibt es Buttergemüse, Rahmsößchen, Speckmäntelchen und immer noch ein wenig Fett (zB in Gestalt von Sahne) mehr. Schon befremdlich vor einem riesigen Berg Essen zu stehen und kaum was eßbares zu finden, außer an der Salatbar. Gallenbedingt stellte mich das Hochzeitsmenü vor eine besondere Herausforderung, da es ja derzeit nicht nur Fett zu meiden gilt, sondern auch Gebratenes, Kaffee, Alkohol usw. Leider war meine Vermeidungsstrategie nicht von Erfolg gekrönt, weil mich heute wieder eine Gallenkolik ereilt hat. Sehr uncool. :-( Morgen gibt es erstmal nix zu essen, bis die Situation geklärt ist.
Montag, 11. Juli 2005
Es ist schon eine komische Sache, wenn man nach einigen Tagen der Quälerei erfährt,
daß die vorgebliche Gastritis gar keine war, sondern Gallensteine die Ursache der
Ungemach sind. Plötzlich fühlt man sich entsetzlich alt. Und die Magenschmerzen waren
demzufolge auch Gallenkoliken. Letztenendes verschafft einem das Alter das zweifelhafte
Vergnügen eines mehrtägigen Klinikaufenthaltes, von dem ich nun hier berichten will.
Tagesablauf:
Um 5h schleicht die Tablettenverteiltruppe durch die Zimmer, was man dann merkt, wenn
in der fraglichen Zeit kurz auf dem Klo war und plötzlich ein Plastikdingsi mit lecker
Antibiotika für den Tag auf dem Nachttisch steht.
Um 7h wirft einen die Truppe aus dem Bett die für's Fieber- und Pulsmessen zuständig ist
und auch den Blutdruck nimmt. Das Rollkommando läßt einem gnädigerweise dann auch 30sec
für's wachwerden, ehe man schlaftrunken aus dem Bett taumelt, welches aus unerfindlichen
Gründen JETZT gemacht werden muß, obwohl $PATIENT eh gleich wieder drinliegt. Wahrscheinlich
geht diese Tradition auf Herrn Sisiphos zurück. Dann gibt es Frühstück - sofern man welches bekommt - und später stolpert dann eine
Meute aus Ärzten und Medizinstudenten ins Siechenzimmer und macht eine Visite. Dummerweise
hatte ich kaum noch Visitenkarten da, aber die Herren hielten auch keine bereit.
Klinikaufenthalte leben vom Warten und von der Langeweile. Man wartet auf den Arzt, die
Schwester (die den rausgefallenen Tankstutzen an den Hand wieder befestigt), man wartet
auf Besuch, auf die nächste Behandlung, Untersuchung und darauf endlich mal wieder etwas
zu essen zu kriegen. Sollte Warten eine Therapieform sein, bin ich bald kerngesund. ;-)
Dasselbe gilt für Langeweile.
Der Krankenhausbetrieb als solches ist eine ziemliche Materialschlacht. An jeder Ecke
stehen Verbandmaterialien, Spritzen, Kanülen, Stöpsel, Tankstutzen etc. etc. in großen
Mengen zum Einsatz bereit, was wohl auch notwendig ist, wenn solche Depperln wie ich
gerne mal den besagten Tankstutzen verlieren.
Nun, ich fühle mich wie der böse Wolf mit dem Bauch voller Wackersteine. Ich darf allerdings schwimmen gehen, bloß Kaffee trinken soll ich nicht (seufz) und fettarm essen (mach ich eh) und Gebratenes meiden.
Da eine Gallenkolik aber so ziemlich die unlustigste Sache ist, die ich kenne, muß ich da wohl durch.
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