Im Film "Pappa ante Portas" von Loriot gibt es die berühmte Szene, wo Herr Lohse (Loriot) den Kellner fragt "Herr Ober, dürfen wir Ihnen vielleicht etwas bringen?", als dieser die bestellwilligen Gäste ignoriert. Diesen Spruch braucht man auch im echten Leben gelegentlich.
Heute hatten wir uns spontan mit Herrn S und Herrn A zum Frühstücken verabredet. Die Wahl fiel diesmal auf das "Bohne & Malz" am Rotkreuzplatz. Mit der Filiale in der Sonnenstraße hatten wir schon gute Erfahrungen gemacht und deswegen wollten wir diese hier auch ausprobieren.
Alles fing gut an. Wir haben gleich den reservierten Platz bekommen und Speisekarten und konnten auch gleich unseren ersten Milchkaffee ordern. Dann stellte sich heraus, daß es zuwenig Personal für Menge der Gäste war und dadurch, daß aufgrund des guten Wetters auch die Terrasse vollbesetzt war, waren die Bedienungen meiner Meinung nach überlastet und schlecht organisiert. Freundlich, aber planlos.
Momentaufnahmen:
- Mitfrühstücker Herr A bestellte einen zweiten Kaffee und ein Wasser und bekam das Wasser nicht trotz Nachfrage. Stand zwar nicht auf der Rechnung, ist aber für den Wirt entgangener Umsatz. Zumal Herr A auch noch mehr konsumiert hätte.
- Mitfrühstücker Herr S bestellte ein Mittagessen (ca. 13 EUR) und bekam es nicht. Erfreulicherweise stand es wenigstens hinterher nicht auf der Rechnung. Auch hier wären noch ein paar Getränke hinzugekommen.
- Eine Bedienung kommt mit einem Kaffee an den Tisch. "Wer kriegt hier den Kaffee?" Herr A meldet sich. "Nein, der Kaffee ist nicht für den Tisch hier!" sagt die Dame und fragt an den anderen Tischen rum bis sie am Ende doch Herrn A den Kaffee bringt. Aha?
- Herr U möchte zu seinem Frühstück eine Portion Rührei extra. Das steht zwar nicht auf der Karte, man kann es allerdings trotzdem bestellen. Allerdings nur in der Variante ohne Schinken. Warum das so ist, bleibt schleierhaft.
- Das Pärchen am Nebentisch mußte erst ewig warten, bis sie überhaupt bestellen konnten und dann passierte der Bedienung beim Servieren ein Mißgeschick. Der Milchkaffee auf dem Tablett kippt um und verteilt sich über den Tisch und die junge Dame. Sowas kommt vor. Die Kellnerin rannte auch gleich los und holte Lappen. Statt aber den Leutchen einfach schnell einen anderen Tisch anzubieten und dann aufzuwischen, wischte sie hektisch um die beiden herum, die irgendwann von dem Gesamtszenario so genervt waren, daß Sie aufstanden und das Lokal verließen. (Nichts konsumiert = kein Umsatz! Im Gegenteil, der verschüttete Kaffee wurde ja auch nicht bezahlt.) Die Pfütze am Boden wurde übrigens bis wir gingen nicht entfernt. Eingetrockneter Milchkaffee läßt sich auch gleich viel besser aufputzen. Als der junge Mann einen während der Wischarbeiten gefährlich an der Kante stehenden Kaffeebecher aus Sicherheitsgründen auf das Tablett stellte, stellte die Bedienung diesen demonstrativ wieder zurück. Vielleicht liegen Kaffeeduschen ja im Trend.
- An vielen Tischen stapelten sich leergegessene Geschirrteile. Die Kellnerinnen sind aber trotzdem, wenn sie etwas gebracht haben, meistens mit leeren Händen wieder zurück zum Tresen gegangen. Dabei hätten sie zum einen Geschirr einsammeln und zum anderen weitere Bestellungen aufnehmen können. Zur Strafe gab es dann statt langstieliger Kaffeelöffel irgendwann nur noch Strohhalme für den Kaffee. Vermutlich waren die Löffel alle im Umlauf.

Ich mache im echten Leben u.a. Prozessberatung im IT-Umfeld, aber obwohl branchenfremd sind hier wären mir spontan einige Punkte eingefallen, wie man zum Nutzen der Gäste und zur Entlastung des Personals einiges verbessern könnte. Dann könnte sich der Gast über das (wirklich) leckere Essen und der Wirt über ordentlichen Umsatz freuen.