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Kandidiert gefälligst!

Der tatsächliche oder gefühlte Frauenmangel in der Piratenpartei führt angesichts diverser Vorstandsneubesetzungen oder Kandidierendenlisten für kommende Parlamentswahlen zu merkwürdigen Reflexen. Da wird von Personen jedweden Geschlechts gewettert, daß zu wenige Frauen überhaupt antreten und von denen auch nicht alle gewählt werden. Manchmal auch keine. Das ist blöd. Aber im Rahmen von demokratischen Wahlverfahren möglich und zulässig, eine gegebene Person nicht zu wählen. Sonst könnte man sich den ganzen Aufriß mit den Wahlen sparen und einfach per Losverfahren den Vorstand bilden und diesen paritätisch besetzen.

Das Wort "Wahl" ist bekanntermaßen Bestandteil des Wortes Auswahl und wenn ich (als Frau) von beispielsweise fünf Kandidatinnen alle auf die Liste wählen soll, fühle ich mich als Wählerin um mein Wahlrecht betrogen, weil ich ja keine Auswahl mehr habe. Soll ich ernsthaft eine esoterische Verschwörungstheoretikerin (willkürliches Beispiel) wählen, nur um den Frauenanteil in einem Vorstand oder einer Liste zu erhöhen? Geschlecht ist keine Leistung. Und erzähle mir bitte niemand, daß das dann etwas anderes sei, als die vielgescholtene Alibi- oder Quotenfrau. Ist es Sexismus, wenn niemand die beispielhafte esoterische Verschwörungstheoretikerin in Amt und Würden sehen möchte? Oder kann es auch im Sinne der Frauenmangelzustandsbeklagenden zulässig sein, sogar eine Frau aus sachlichen Gründen nicht zu wählen.

Hinsichtlich des passiven Wahlrechts werden die Anforderungen nicht wirklich besser. Ginge es nach einigen rigorosen Frauenanteils-Verfechter[inne]n, müsste jede Piratin automatisch für Ämter und Mandate zur Verfügung stehen und das ungeachtet der persönlichen Präferenzen. Das hat dann mit weiblicher Selbstbestimmung nichts mehr zu tun. Und ich (als Frau) möchte auch gerne selbst entscheiden, ob ich mich zur Wahl stelle oder nicht. Und dann bitte auch ohne dann von verschiedenen Seiten angemotzt zu werden, wenn ich mich dagegen entscheide. Es haben nicht zwingend alle, die sich politisch engagieren, ausreichend Spaß an Parlaments- oder Gremienarbeit. Es gibt bei allen Geschlechtern Personen, die ihrem "Brotberuf" den Vorzug geben und die Parteiarbeit in der Freizeit machen wollen. Das muß so akzeptiert werden und ich erwarte hier einfach mehr Respekt vor den persönlichen Entscheidungen anderer.

In weiteren Artikeln werde ich mich dann der Ursachenforschung widmen.

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Kommentare

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Azundris am :

Das ist soweit alles korrekt so, es bleibt aber anzumerken, dass man Leute, "die Quoten(regelungen) schelten" ohne dabei zu qualifizieren (hart, weich, relativ, was weiss ich) vermutlich ausgiebig auslachen sollte.

Frank am :

++++++FaktenFaktenFakten+++++++++++

Vorstand des Landesverband Bayern

Vorsitzender: Stefan 'Sekor' Körner
Stellv. Vors.: Christina Grandrath a.k.a. Spinni
Schatzmeister: Franz Rauchfuss
Stellv. Schatz. 1: Thorsten Forkel
Generalsekretär: Mark Huger
Pol. Geschäftsf.: Bruno Kramm
Beisitzer: Astrid Semm
Beisitzer: Nikki 'Dyfa' Britz

Fact: 3 von 8 Menschen sind Frauen.


Wahlkreisliste für die Landtagswahl, Mittelfranken:

1. Emanuel Kotzian (Stimmkreisbewerber Nürnberg-Nord)
40 Jahre, Verleger aus Nürnberg-Gostenhof
2. Christina Grandrath (Stimmkreisbewerberin Nürnberg-Ost, stellv. Vorsitzende im Landesverband Bayern)
31 Jahre, wissenschafltiche Mitarbeiterin aus Nürnberg
3. Dominik Kegel (Stimmkreisbewerber Roth)
28 Jahre, Student der Politik- und Sozialwissenschaften aus Roth
4. Astrid Semm-Steinmann (Stimmkreisbewerberin Erlangen, Beisitzerin im Landesverband Bayern)
46 Jahre, Teamassistentin aus Erlangen
5. Christian Kubisch (Stimmkreisbewerber Nürnberger Land)
36 Jahre, Bürokaufmann aus Altdorf
6. Karoline Stiefel
30 Jahre, Studentin der Medien- und Kulturwissenschaften aus Erlangen

Fact: Platz 2/4/6 sind Frauen


Wahlkreisliste für die Bezirkstagswahl, Mittelfranken:

1. Daniel Gruber (Stimmkreisbewerber Ansbach-Süd, Weißenburg-Gunzenhausen)
25 Jahre, Anwendungsentwickler aus Dorsbrunn
2. Andrea Klier (Stimmkreisbewerberin Nürnberg-Süd, Schwabach)
42 Jahre, Bankkauffrau aus Schwabach
3. Thomas Schmiedel (Stimmkreisbewerber Ansbach-Nord)
50 Jahre, Handelsfachwirt aus Petersaurach
4. Stefan Albrecht
44 Jahre, Leiter Forschung und Entwicklung aus Pleinfeld
5. Frank Heinze (Stimmkreisbewerber Erlangen)
42 Jahre, Krankenpfleger aus Erlangen
6. Eva Westrich
22 Jahre, Studentin der Umweltsicherung aus Neustadt an der Aisch
7. Vera Huwendiek
43 Jahre, Sozialpädagogin aus Nürnberg

Fact: Platz 2/6/7 sind Frauen


Fact: Nahezu alle überhaupt antretenden Frauen werden auch gewählt. Wenn sie überzeugend und kompetent auftreten.

Achim Mönch am :

Hallo Nikki,

ich bin (als Mann) ein Verfechter einer parteiinternen Frauenquote, und zwar einer recht klar definierten: der Anteil von Frauen und Männern in Amt und Würden bei einer parteiinternen Wahl sollte prozentual dem der parteiinternen Wähler entsprechen - analog z.B. der Wahlen der Arbeitnehmervertreter in einem Aufsichtsrat (Drittelbeteiligungsgesetz).

Es gibt die Annahme, dass Frauen (auch in unserer Partei) strukturell benachteiligt werden. Es gibt auch die Ansicht, dass dem nicht so sei; eine Mehrheit in der Partei sieht das so (vorallem fast alle Männer) Beide Sichtweisen sollten mit so einem solchen Verfahren eigentlich gut leben können.

Nehmen wir an, den Frauenanteil in einem Bezirks (Land-,Kreis,Ort- etc.) betrage 17%. Dann wäre ein Vorstand aus 17% Frauen und 83% Männern zu besetzen (oder ca., Details mal gerade aussen vor). Dann gebe es keinen Grund mehr, eine strukturelle Benachteiligung (für wen auch immer) zu beklagen. Anderseits müsste jemand, der dieses Verfahren als böse Frauenquote kritisiert, schon behaupten, dass es Gründe in den Unterschieden im Geschlecht gebe, dass es unter den Männern eine höhere Anzahl Amtfähiger und Amtswilliger pro Mitglied gebe als unter den Frauen. (oder beim Vorwurf Männerquote ungekehrt) - was ich als böses Vorurteil, bestenfalls aber als Beleg für eine tatsächliche strukturelle Benachteiligung interpretiere würde.

Und solle jetzt wieder jemand mit dem Totschlagargument kommen, der meint, wir hätten transsexuelle Eichhörnchen vergessen: von mir aus können wir das Verfahren auch auf diesen Kreis ausweiten. Ergänzungsausweis der dgti vorlegen und schon sind auch sie im entsprechenden Anteil berücksichtigt, wenn sie das wollen.

Und nein, es gibt wirklich keinen, der ernsthaft behauptet, adipöse brillentragende Schornsteinfeger werden bei Wahlen diskriminiert. Nur leider viel zu viele, die glauben, unsere Gesellschaft wäre längst sowas von postgender - dabei ist es meist nur die Denkfaulheit, die den kleinen Unterschied vergessen will.

Liebe Grüße,

Achim

MariusWerner am :

Das Problem ist, das es auch einfach sein kann, dass einfach mal zufällig keine/r von den Frauen oder auch von den Männern geeignet ist. Was macht man dann?
Außerdem muss ich sagen wir sind ganz und gar nicht Postgender, aber ich hoffe es wird besser und was Wahlen in der Partei angeht schneiden die Frauen immer überdurchschnittlich ab. Leider melden sich halt weniger unter anderem da sich die Medien oft sehr auf die Damen stürzen und sie nicht einfach als Pirat behandeln sondern als "hübsche Piratin" oder so. Das ist voll doof, aber wird durch die Quote nicht behoben.

Übrigens kann das ganze auch üble Effekte mit sich bringen. Stell dir mal vor ne weibliche rechte Socke oder so bewirbt sich auf ein amt und ist die einzige Frau...

Achim Mönch am :

Natürlich kann es immer mal sein, dass zufällig keine Frau geeignet oder von schrägen Umtrieben frei erscheint. Und vielleicht gehört es auch zu den Details, das man eine solche Regelung nicht für Ortsverbände oder Gruppen mit weniger als 10 Mitgliedern anwenden muss. Ich schrieb ja bewusst: " soll", weil es immer begründbare Ausnahmen geben kann.

Dennoch ist das Problem klein gegenüber dem viel häufigeren Problem, dass die Anzahl der Kandidaturen an sich sehr gering sein kann, etwa für das Amt des Schatzmeisters. Was machen wir, wenn uns keine Kandidat geeignet oder von schrägen Umtrieben frei erscheint? Richtig - wir suchen weiter, im Vorfeld der Wahl. Genau das gleiche wird bei Frauenkandidaturen passieren oder ggf. auch bei Männern ;-).

Sebastian Jurk am :

Was du vorschlägst ist eine feste Quote. Und das wird es zum Glück nicht geben. Einfach weil eine Ungerechtigkeit in eine neue mündet. Und das ist der falsche Weg.

Deine Quote geht einfach von einer Statistik aus und muss überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben. Es kann durchaus sein dass weniger Frauen diesen oder jenen Posten haben wollen. Und? Dabei verweise ich nur auf Norwegen.

Wenn schon sollte Eignung und Leistung entscheiden. Und das wird ja wohl bei den Piraten gewürdigt was man daran sieht dass eben prozentual mehr Frauen gewählt werden als Männer. Im Gegensatz zur Anzahl Frauen-Männer. Aber gut... mangels Statistik kann ich das nur schätzen.

Grüße!
Sebastian

Andrea am :

Im Prinzip geb ich Dir voellig recht und bin schon allein aus Angst vor der Disqualifizierung als Quotenfrau gegen die Quote. -- Andererseits gibt es interessante Untersuchungen zur unterbewussten Benachteiligung von Frauen (siehe z.B. http://blogs.scientificamerican.com/unofficial-prognosis/2012/09/23/study-shows-gender-bias-in-science-is-real-heres-why-it-matters/).
Die Frage scheint zu sein, wie man das Frauenbild (auch von sich selbst!) so veraendern kann, dass Frauen tatsaechlich die gleichen Chancen haben.

Quote: laesst die Frage offen, ob die Frau den Posten wegen Geschlecht oder Eignung bekommen hat;

Anonymisierung bei der Vergabe: manche Luecken im Lebenslauf sind relativ offensichtlich Geschlechter-bedingt; ausserdem schwierig, weil es ja oft auch auf die Persoenlichkeit ankommt

andere Ideen?

Letztlich denke ich, dass man sich vor allem seine Entscheidungen bewusst machen sollte, und vielleicht ab und zu sich fragen sollte, ob man genauso entscheiden wuerde, wenn der Kandidat ein anderes Geschlecht haette. Und als potentielle Kandidatin sollte man sich fragen, ob ein Mann in der Situation selbstbewusster auftreten wuerde und man das nicht vielleicht doch auch koennte... ;-)

Sabine am :

heisst das im Umkehrschluss, dass auch nicht mehr Frauen gewählt werden dürfen? Quote ist und bleibt für mich falsch. Egal wierum, man verliert immer fähige Leute, ob Mann oder Frau.

Llarian am :

Danke für diesen Artikel!
Ich, weiblich, bin eine Quotengegnerin - weil Frauenquoten nur das Symptom maskieren, aber nicht die Ursache beseitigen. Schlimmer noch, wo Frauenquoten sind, muß sich automatisch jede Frau in einem Amt den Vorwurf gefallen lassen, doch nur die "Quotentusse" zu sein. Das trägt nicht zur Lösung des Problems bei, stattdessen führt es für die Frauen meist direkt auf's Abstellgleis.

Persönlich würde ich mir wünschen, daß mehr Frauen für Ämter kandidieren. Aber ich stimme zu, daß die einzelne Frau nicht gezwungen werden darf, auch nicht über sozialen Druck.

Achim Mönch am :

Ich sehe das anders. Natürlich ersetzt eine Symptombehandlung keine Ursachenbeseitung. Nur: wer schon weiß, wie man den Krebs besiegt, darf gerne Schmerzmittel geißeln. Quoten sind Schmerzmittel im Kampf gegen eine Krankheit, für die wir noch keine Therapie kennen.

Und noch etwas: eine Radarfalle oder eine Alkoholkontrolle hat noch immer deutlich mehr besoffene Raser ausgebremst als eine ausgewogen ausformulierte Broschüre vor der Dorfdisco. Manchmal muss man (oder eben frau) handeln. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Wenn ihr nicht handelt, werden es eure Töchter sicher nicht besser haben. Eher im Gegenteil, Macht tendiert dazu, sich zu verfestigen.


Aber eins noch am Rande: ich kannte eine Llarian vor 1,5 Jahrzehnten aus dem FDP-Forum (ich war dort als JohnRawls unterwegs). Sollte es sich um die gleiche Person handeln, kann man Nikki nur zu einer selten exzellenten Leserin gratulieren.

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