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Müsli in der Schublade

Piraten sind für Piratenprodukte besonders anfällig. Die Frage, ob wir alle marketingverseucht sind, sei jetzt mal dahingestellt. Es kommt aber mit schöner Regelmäßigkeit irgendeiner mit irgendeinem Piratenirgendwas um die Ecke. Meistens etwas für Kinder und da recht häufig "speziell für Jungs".

Nun verwies jemand auf das Piratenmüsli von MyMuesli, nach deren eigener Marketingaussage "für wilde Piratenjungs". Parallel dazu wird - wie könnte es auch anders sein - ein Prinzessinnenmüsli für Mädchen angeboten. Garniert mit entsprechenden Texten. Ich seufze. Wenn irgendwelche altehrwürdigen Traditionsunternehmen dieses Thema nicht auf die Reihe bekommen, verwundert das (leider) wenig. Bei einem Unternehmen, welches aber erst einige Jahre am Markt ist und jung und innovativ wirkt, ist das für mich ziemlich enttäuschend. Ich suchte mir also das Kontaktformular und schrieb:

Hallo MyMuesli,

Piratenmüsli für Jungs und Prinzessinnenmüsli für Mädchen? Och Leute, kann man nicht Kinderprodukte ohne althergebrachte Geschlechterrollenzuschreibung verkaufen? Ihr seid so ein innovativer Laden und dann kommt ihr mit so maximal abgestaubten Ideen um die Ecke. Bitte denkt da nochmal drüber nach, ob man die Kinderprodukte nicht auch ohne solche Schubladen feilbieten kann.

Viele Grüße
Nicole Britz, München

Dann warten wir mal die Antwort ab.

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Kommentare

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-tbh am :

Vermutlich sind die mehr an Verkaufszahlen als an political correctness oder Umerziehung interessiert ... und verkaufen wird sich beides, weil es sowohl das überwiegende Interesse sehr Jungs an Piratenthemen als auch das der Mädels an Prinzessinnen schlicht gibt. Such wenn man die Realität lieber anders hätte.

Thomas Hühn am :

Vielleicht ist es sowieso unwürdig, Kinder überhaupt umerziehen zu wollen.

Warum haben Frau B. und Frau W. denn ein Recht, der kleinen Isabell ihre Prinzessin zu verbieten und dem kleinen Oliver eine rosa Barbie aufzuzwingen?

dyfa am :

Och Thomas, es geht doch gar nicht darum, irgendetwas zu verbieten oder Kindern das Gegenteil aufzuzwingen. Es geht um freie Entscheidungen statt weiterhin reproduzierter Stereotype, wie das vom Jungen als wildem, mutigem Piraten und vom Mädchen als der lieben Prinzessin, die primär mit Brav- und Hübschsein beschäftigt ist. Der gerne beigefügte Hinweis "Kind darf ja auch anders sein" hilft da nicht wirklich weiter.

http://www.quantenmeinung.de/2012/08/gleichmacherei-der-geschlechter/
http://drmutti.wordpress.com/2012/08/13/girls-the-force-is-strong-with-them/

Thomas Hühn am :

Ihr geht aber immer einfach davon aus, "Mädchen --> Prinzessin" sei aufgezwungen/anerzogen. Möglicherweise sind statistisch halt doch Mädchen eher an Prinzessinnen interessiert? So ganz von Natur aus?

Interessanterweise sehe ich auch nie, daß Mädchen aufgefordert werden, sich zu prügeln oder andere "negative" Jungen-Verhaltensweisen zu übernehmen. Warum eigentlich nicht? Wenn die Geschlechter doch angeglichen werden müssen, weil alles andere ja unnatürlich sei?

Princess am :

Meine Querulierung bei rollengeprägter Kinderkleidung ist nun auch schon JAHRE her und es hat sich fast nichts gebessert. Wir prägen Jungen wie Mädchen Stempel auf und wundern uns dann, wenn Jungs nicht Erzieher und Mädchen nicht Ingenieurin werden wollen.
Danke daß Du die Müslimacher auf diese Falle hingewiesen hast.

Oli am :

Den gleichen Brief kannst Du dann auch nochmal an Ferrero schicken, es gibt nämlich jetzt, wie ich vor Kurzem mit Erschrecken feststellen musst, das Überraschungsei nur für Mädchen:

http://www.kinderueberraschung.de/winx/maedchen_ei/maedchen_ei.html

Naja, viellecht kannst Du "innovativ" aus dem Brief noch streichen...

Betschwester am :

Es hilft, Kinder nicht mit einkaufen zu schicken und keinen Fernseher zu haben UND ihnen immer die freie Wahl zu lassen! Mädchen spielen auch mit Autos und Jungs wollen genauso Haarspangen in den Haaren haben, um schön zu sein, zumindest so lange, bis sie sich ihre Umgebung genau anschauen. So lange wie alle klassischen Frauen zeitschriftengeschädigt ;) rosa-pink bevorzugen (selbst wenn es die Mutter nicht tut) und klassische Männer laut brüllend Fußball kucken (auch wenn es der Vater nicht tut), wird sich das klassische Verteilungsbild ala "Jung müssen auf Piraten, Mädchen auf Prinzessinen stehen" nicht verändern. ;)
...und dann müssen die Vertriebe eben wieder diesem Bild entsprechen.

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