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Feuer frei?

Meine bisherigen Erfahrungen mit der Zeitschrift Emma sind nicht die besten. Schon 2002 hatten einige Damen in meinem Freundeskreis das Vergnügen mit einem Artikel über "Frauen und IT" in besagter Zeitschrift, was dann noch einige Kreise gezogen hat. Genaueres kann bei Gattinnen im Netz nachgelesen werden.

Einst feministisches Kampfblatt, heute Bildzeitungsersatz für Emanzipationsinteressierte? Zumindest die Güte der Recherchen, mit deren Auswirkungen ich mich bislang befassen durfte, finde ich bedenklich. Schlecht oder gar nicht recherchiert, nicht analysierend, sondern manipulativ und immer so auslegend, dass es nicht mit dem eigenen Weltbild kollidiert und das klassische Feindbild, aus der die Zeitschrift meiner Ansicht nach ihre Existenzberechtigung ableitet, weiter unterfüttert wird.

Cymaphore nimmt den besagten Artikel auseinander, wo sich die Emma mit den Frauen bei den Piraten beschäftigt.

Daraufhin verbrennt eine Piratin ein Exemplar dieser Zeitschrift in der Öffentlichkeit, was bei der Holzpresse als "Piraten verbrennen Emma" landet. Sowas nenne ich einen Bärendienst. Diese Aktion ist auf so vielen Ebenen kaputt. Ich persönlich finde, das öffentliche Verbrennen von Meinungsäusserungen anderer Personen ist indiskutabel. Und ich finde es auch indiskutabel, wenn sich gewählte Parteivertreter positiv zu so einer Aktion äussern, weil die nämlich mit dem Meinungspluralismus für den gerade die Piraten stehen wollen, genau nichts zu tun hat. Das ist billigste Symbolik aus der Mottenkiste und ist keinen Deut besser als die voreingenommene Polemik in dem Artikel, der hier zum Stein des Anstoßes wurde.

Das Schlimmste an dem Artikel finde ich persönlich, dass Emma behauptet auf meiner Seite zu sein, meine Existenz (als Pirat und IT-Frau) aber leugnet. Wo die Haltung "Ich muss selbst nichts tun, ausser mich zu empören, denn ich werde ja von anderen unterdrückt!" gefördert wird und mein persönliches Lebensumfeld und meine Lebensweise nicht respektiert, sondern teilweise sogar negiert wird. Und das soll dann am Ende die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Gesellschaft erreichen?

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Kommentare

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Princess am :

*seufz* wir schreiben das Jahr 2011 (was ja nun bald zuende ist). Nein, in der Sache der Gleichberechtigung ist die Welt noch nicht komplett gerettet, aber es hat sich seit den 70ern (in denen Frau Schwarzer "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" veröffentlichte) doch EINIGES getan.
Zum Beispiel kann man als Frau heute unverheiratet und selbstbestimmt leben.

Schon vor einigen Jahren sagte eine Freundin (Dr. inf., bei einer großen IT Firma Managerin), sie fühle sich nicht von der EMMA vertreten. Wie auch.

Bücherverbrennungen sind natürlich NIE ok, aber die EMMA könnte auch mal von ihrer Vorurteilsschiene runterkommen und das recherchieren anfangen. Sein Handwerk zu beherschen erwarte ich nämlich von Frauen UND Männern.

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