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Rollenvorbildzeitung mit Fehlanzeigen

Hauptsache rosa!
Vor geraumer Zeit habe ich zur Abwechslung mal wieder einen der bundesdeutschen Privatsender geschaut und mir bei dieser Gelegenheit auch einen Werbeblock zu Gemüte geführt. Dabei wurde unter anderem für eine neue Frauenzeitschrift geworben. Kernthemen: Kosmetiktrends und Handtaschen. Wunderbar, wir haben hier dann eine weitere Zeitschrift, die die gleichen Inhalte präsentiert wie die anderen auch, das Alleinstellungsmerkmal war auf Anhieb nicht erkennbar. Ein Kollege (im früheren Leben Journalist) sagt, dass man als Artikel getarnte Werbung oder auch Product Placement teilweise nur schlecht unterscheiden kann. Ausserdem seien Mitglieder der Zunft auch nicht fleissiger als der Rest der Menschheit, weswegen die Nennung von Markennamen und Produkten in Artikeln bisweilen auch schlicht dem Zeilenschinden geschuldet ist.

Kürzlich erwarb ich im Supermarkt eine Rezeptzeitschrift, weil das Spezialthema ausreichend interessant war. Beim Durchblättern stieß ich dann noch auf einen "allgemeinen Teil", in dem es nicht um die Speisenzubereitung ging, sondern um andere Themen, wie etwa Familie und Haushalt. Alles hübsch klassisch "gerollt" und  betulich. Es war zum Haareraufen. Von einer Rezeptezeitschrift erwarte ich Ideen für Futter und keine ideologische Unterfütterung traditioneller Rollenmodelle. Die Verknüpfung "Frauen" plus "gerne kochen" gleich "traditionelles Rollenverständnis" ist meiner Ansicht nach ein Trugschluß.

Meine Abneigung gegen die typischen Frauenzeitschriften hat auch eine Geschichte. In meiner Studienzeit habe ich im Rahmen einer Seminararbeit einmal die Inhalte, Themenschwerpunkte, Zielgruppe und das vermittelte Frauenbild in verschiedenen Frauenzeitschriften analysiert. Vorher war ich eifrige Konsumentin, danach habe ich den Erwerb dieser Sorte Presseerzeugnis aufgegeben. Diese Magazine lese ich nur im Wartezimmer oder beim Friseur, wenn so gar nichts anderes da ist. Und jedes Mal weiss ich hinterher wieder, warum mein Kaufboykott immer noch gerechtfertigt ist. Leider ist die Seminararbeit im Strudel diverse Rechner- und Wohnungsumzüge abhanden gekommen.

Was mich persönlich am meisten nervt, ist das vorgebliche "Wir Frauenzeitschriften sind auf eurer Seite!", während dort in großer Menge Informationen enthalten sind, die nicht zum positiven Selbstbild beitragen, weil scheinbar nur über die systematische Verschlechterung des Selbstbildes (überflüssige?) Verbesserungsprodukte verkauft werden können. Ich erwarte keine Anleitungen für Revolutionen in solchen Printerzeugnissen, aber wer gibt schon gerne Geld aus, um sich nach dem Konsum mieser zu fühlen als vorher. Die gleiche Nummer wird in Männerzeitschriftschriften übrigens auch gefahren. Auf diese Form der Gleichstellung können wir sicher alle verzichten.

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Andreas am :

"I believe that beauty magazines promote low self esteem"

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