Rollenvorbildzeitung mit Fehlanzeigen
Kürzlich erwarb ich im Supermarkt eine Rezeptzeitschrift, weil das Spezialthema ausreichend interessant war. Beim Durchblättern stieß ich dann noch auf einen "allgemeinen Teil", in dem es nicht um die Speisenzubereitung ging, sondern um andere Themen, wie etwa Familie und Haushalt. Alles hübsch klassisch "gerollt" und betulich. Es war zum Haareraufen. Von einer Rezeptezeitschrift erwarte ich Ideen für Futter und keine ideologische Unterfütterung traditioneller Rollenmodelle. Die Verknüpfung "Frauen" plus "gerne kochen" gleich "traditionelles Rollenverständnis" ist meiner Ansicht nach ein Trugschluß.
Meine Abneigung gegen die typischen Frauenzeitschriften hat auch eine Geschichte. In meiner Studienzeit habe ich im Rahmen einer Seminararbeit einmal die Inhalte, Themenschwerpunkte, Zielgruppe und das vermittelte Frauenbild in verschiedenen Frauenzeitschriften analysiert. Vorher war ich eifrige Konsumentin, danach habe ich den Erwerb dieser Sorte Presseerzeugnis aufgegeben. Diese Magazine lese ich nur im Wartezimmer oder beim Friseur, wenn so gar nichts anderes da ist. Und jedes Mal weiss ich hinterher wieder, warum mein Kaufboykott immer noch gerechtfertigt ist. Leider ist die Seminararbeit im Strudel diverse Rechner- und Wohnungsumzüge abhanden gekommen.
Was mich persönlich am meisten nervt, ist das vorgebliche "Wir Frauenzeitschriften sind auf eurer Seite!", während dort in großer Menge Informationen enthalten sind, die nicht zum positiven Selbstbild beitragen, weil scheinbar nur über die systematische Verschlechterung des Selbstbildes (überflüssige?) Verbesserungsprodukte verkauft werden können. Ich erwarte keine Anleitungen für Revolutionen in solchen Printerzeugnissen, aber wer gibt schon gerne Geld aus, um sich nach dem Konsum mieser zu fühlen als vorher. Die gleiche Nummer wird in Männerzeitschriftschriften übrigens auch gefahren. Auf diese Form der Gleichstellung können wir sicher alle verzichten.
Kommentare
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Andreas am :