Rollenvorbilder zum Aufhängen gesucht?
Die Piraten sind erstmals in ein Landesparlament eingezogen und die Medien stürzen sich nun auf die junge Partei und finden, dass es dort zu wenige Frauen gibt. Ob das nun stimmt oder nicht und wie es den Frauen innerhalb der Partei so geht, habe ich an anderer Stelle schon verbloggt. (Tag: Piratenpartei) Aber der "gefühlte Frauenmangel" ist nun für die Medien vielfach ein klarer Minuspunkt, der die gleichen Medien an anderer Stelle übrigens weniger zu stören scheint.
Beispielsweise finde ich es schwierig bis unmöglich, weibliche Azubis für die Ausbildung Fachinformatiker/Systemintegration zu finden. Liebe Medien, wo seid ihr denn? Wo sind eure Artikel für die einschlägigen Mädchenzeitschriften, die technische Berufe nicht als "huch, wie exotisch", sondern als spannend und interessant beschreiben? Wo sind eure Artikel in den einschlägigen Frauenzeitschriften, die sich im Gegenteil primär mit Mode, Kosmetik, Kochen und ich nenne es mal "herkömmlichen Frauenberufen" zu beschäftigen scheinen. Wo bleibt die Kritik an der Industrie, die "Frauenprodukte" per default erstmal in der Farbvariante "rosa" anbietet? Wo bleiben die Rollenvorbilder, die Frauen beispielsweise in technischen Berufen oder der Politik nicht vorgeblich lobend als "krasse Powerfrau" gerieren und sie damit auf ein Podest heben, welches die Beschreitung eines vergleichbaren Lebenswegs durch die Heraushebung implizit als "extrem durchsetzungsintensiv" und "abschreckend anstrengend" darstellt? Es gibt in der medialen Darstellung von Männern und Frauen einen Unterschied - "Er ist Politiker" (also normal) und "Sie ist Frau und Politikerin" (heraushebenswürdig). Liebe Medien, was soll ich bloss davon halten?
Kommentare
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Kristian Köhntopp am :
Habt Ihr schon mal über rosa Servergehäuse nachgedacht?
dyfa am :
Mela am :
Andreas am :
Das hatte ich natürlich schon vor zehn Jahren, konnte aber bei Lookbook nicht damit punkten, weil die Zeit noch nicht reif war.
Möglicherweise wird es bald Zeit für karierte Patchkabel.
Thilde am :
Antje Schrupp am :
Foodfreak am :
Ich finde den Ansatz der Piraten _richtig_ und wichtig. Wer Genderpolitik will, ist bei den Grünen gut aufgehoben, wo Frauen Sonderrechte eingeräumt bekommen statt wie gleiche behandelt zu werden. (Ich habe andere Gründe die Piraten nicht zu wählen, aber das Ausklammern von vorgeblichen, sozialisierten, erträumten, eingebildeten. politischen, grundsätzlichen oder sonstigen Geschlechterdifferenzen gehört nicht dazu).
siebenkleinekiefern am :
Man könnte sagen: Das alles hat auch was mit dem arabischen Frühling, mit Stuttgart21, mit #spanishrevolution zu tun. Das liegt wohl gerade in der Luft.
Man könnte sagen: Ok, sie treten uns in den Arsch, fair deal, es liegt einiges im Argen und alle 30 Jahre muss wohl die Jugend darauf hinweisen.
Man könnte sagen: Das ist der Anfang von etwas Neuem und es wird alles verändern.
Man könnte sagen: Diese Leute sind gefährlich und schaden unseren Interessen und bewährten Abläufen, und wir werden sie stoppen.
Aber man sagt: "Bei euch sind zuwenig Frauen, und ansonsten seid ihr ne witzige Chaostruppe, aber habt ja gar kein Programm, das auch gar nicht finanzierbar ist, und sich sowieso nur aufs Internet bezieht, und euch wählen doch nur die Protestwähler-Loser."
Ich finde das ziemlich arm, völlig unabhängig von der Frauenfrage. Liebe Medien. Und ich bin nicht mal bei denen Mitglied.