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Rollenvorbilder zum Aufhängen gesucht?

Die Piraten sind erstmals in ein Landesparlament eingezogen und die Medien stürzen sich nun auf die junge Partei und finden, dass es dort zu wenige Frauen gibt. Ob das nun stimmt oder nicht und wie es den Frauen innerhalb der Partei so geht, habe ich an anderer Stelle schon verbloggt. (Tag: Piratenpartei) Aber der "gefühlte Frauenmangel" ist nun für die Medien vielfach ein klarer Minuspunkt, der die gleichen Medien an anderer Stelle übrigens weniger zu stören scheint.

Beispielsweise finde ich es schwierig bis unmöglich, weibliche Azubis für die Ausbildung Fachinformatiker/Systemintegration zu finden. Liebe Medien, wo seid ihr denn? Wo sind eure Artikel für die einschlägigen Mädchenzeitschriften, die technische Berufe nicht als "huch, wie exotisch", sondern als spannend und interessant beschreiben? Wo sind eure Artikel in den einschlägigen Frauenzeitschriften, die sich im Gegenteil primär mit Mode, Kosmetik, Kochen und ich nenne es mal "herkömmlichen Frauenberufen" zu beschäftigen scheinen. Wo bleibt die Kritik an der Industrie, die "Frauenprodukte" per default erstmal in der Farbvariante "rosa" anbietet? Wo bleiben die Rollenvorbilder, die Frauen beispielsweise in technischen Berufen oder der Politik nicht vorgeblich lobend als "krasse Powerfrau" gerieren und sie damit auf ein Podest heben, welches die Beschreitung eines vergleichbaren Lebenswegs durch die Heraushebung implizit als "extrem durchsetzungsintensiv" und "abschreckend anstrengend" darstellt? Es gibt in der medialen Darstellung von Männern und Frauen einen Unterschied - "Er ist Politiker" (also normal) und "Sie ist Frau und Politikerin" (heraushebenswürdig). Liebe Medien, was soll ich bloss davon halten?

Trackbacks

Gelassenheit durch Kompetenz am : Piraten und Gender - Eine Frage

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Nach den 9% in Berlin hagelt es die aus 2009 nicht ganz unbekannte Kritik, das die Piratenpartei ein Frauenproblem hätte. Keine Quote, nur eine Frau im Berliner Abgeordnetenhaus und dann auch noch so eine 19jähriges Püppi, ansonsten nur langhaarige, nach

sideglance.melan-chol-ie.de am : PingBack

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maedchenmannschaft.net am : PingBack

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Kommentare

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Kristian Köhntopp am :

"Beispielsweise finde ich es schwierig bis unmöglich, weibliche Azubis für die Ausbildung Fachinformatiker/Systemintegration zu finden." Ich glaube, das liegt an Euch. Ihr müßt einfach einen Weg finden, diese Ausbildung und das Berufsbild für Frauen attraktiver zu gestalten.

Habt Ihr schon mal über rosa Servergehäuse nachgedacht?

dyfa am :

Aber natürlich! Nicht mal "Hello Kitty"-Bildschirmhintergründe und entsprechende Serverdeko brachten den gewünschten Erfolg.

Mela am :

Die Modefarbe für Patchkabel ist dieses Jahr aber Grün.

Andreas am :

Echt jetzt? Ich mag Grün eigentlich nur an Pflanzen und habe auch den Eindruck, dass Blau so langsam die Mainstreamfarbe pei Patchkabeln wird.
Das hatte ich natürlich schon vor zehn Jahren, konnte aber bei Lookbook nicht damit punkten, weil die Zeit noch nicht reif war.
Möglicherweise wird es bald Zeit für karierte Patchkabel.

Thilde am :

Wo die Rollenmodelle sind? Na hier, ist doch klar: http://www.girlsandgames.de/

Antje Schrupp am :

Na klar, dass wir in gendermäßig klischeeisierten Zeiten leben. Und na klar haben die Piraten das nicht erfunden, sondern nur geerbt. Um so wichtiger ist aber, dass politische Parteien (die ja noch mal ne andere Aufgabe haben als profitorientierte Medienunternehmen) dieses Thema angehen und aktiv etwas dagegen unternehmen. Das Vorgehen der Piraten, das Geschlecht nicht zu erfassen, halte ich daher für einen Fehler. Man bringt ein Problem nicht aus der Welt, wenn man die Augen davor verschließt und so tut, als gäbe es das nicht. Vor allem dann nicht, wenn diese Praxis dazu führt, dass "zufällig" der Frauenanteil in den eigenen Gremien eben so mickrig ausfällt, wie das bisher der Fall ist. Dass extrem männerdominierte Organisationen heute gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert werden, ist eine Tatsache, mit der die Piraten zurechtkommen müssen.

Foodfreak am :

Sehe ich ganz anders. Ich bin mit der "Frauenbewegung" sozialisiert, ich habe Luise F. Pusch und Alice Schwarzer geatmet, ich habe mich mit Naomi Wolf und dem Schönheitswahn ebenso befasst wie mit dem Backlash / Antifeminismus und lilalesbischem Grundsatzvegetariertum (und den Gegenpositionen dazu).

Ich finde den Ansatz der Piraten _richtig_ und wichtig. Wer Genderpolitik will, ist bei den Grünen gut aufgehoben, wo Frauen Sonderrechte eingeräumt bekommen statt wie gleiche behandelt zu werden. (Ich habe andere Gründe die Piraten nicht zu wählen, aber das Ausklammern von vorgeblichen, sozialisierten, erträumten, eingebildeten. politischen, grundsätzlichen oder sonstigen Geschlechterdifferenzen gehört nicht dazu).

siebenkleinekiefern am :

Man könnte sagen: Wow, das mit der Internetdemokratie hatten wir wirklich nicht auf dem Zettel, und mit der Hinterzimmerpolitik a la SPD und CDU sind wir eigentlich auch nicht ganz glücklich, eigentlich doof, dass wir trotzdem immer die gewählt haben.

Man könnte sagen: Das alles hat auch was mit dem arabischen Frühling, mit Stuttgart21, mit #spanishrevolution zu tun. Das liegt wohl gerade in der Luft.

Man könnte sagen: Ok, sie treten uns in den Arsch, fair deal, es liegt einiges im Argen und alle 30 Jahre muss wohl die Jugend darauf hinweisen.

Man könnte sagen: Das ist der Anfang von etwas Neuem und es wird alles verändern.

Man könnte sagen: Diese Leute sind gefährlich und schaden unseren Interessen und bewährten Abläufen, und wir werden sie stoppen.

Aber man sagt: "Bei euch sind zuwenig Frauen, und ansonsten seid ihr ne witzige Chaostruppe, aber habt ja gar kein Programm, das auch gar nicht finanzierbar ist, und sich sowieso nur aufs Internet bezieht, und euch wählen doch nur die Protestwähler-Loser."

Ich finde das ziemlich arm, völlig unabhängig von der Frauenfrage. Liebe Medien. Und ich bin nicht mal bei denen Mitglied.

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