Das Leben darf keine Spuren mehr an einem selbst hinterlassen. Auf dem Weg durch die Stadt sah ich ein Konzertplakat mit Mireille Mathieu - faltenfrei - die Dame ist Jahrgang 1946. Auch Carmen Nebel, eine attraktive Dame und zehn Jahre jünger als Frau Mathieu wird für die Plakatwand mit Computerhilfe deutlichst verjüngt. Wie fühlt man sich wohl als derart retuschierte Person, wenn man zuerst das Plakat anschaut und dann sich selbst im Spiegel? Ich sage ja nichts dagegen, tagesformabhängige Pickel und Augenringe zu entfernen, aber jemandem viele Jahre gelebtes Leben aus dem Gesicht zu stehlen?
Was ist mit den Frauen, die sich für die Spuren, die die Geburt ihrer Kinder an ihrem Körper hinterlassen haben, schämen und andere Frauen, die in Sauna und Schwimmbad lästern und tuscheln "Wie sieht diiiie denn aus?" Und warum? Schauspielerinnen und Modells lassen ihre Kinder bei Kaiserschnitt holen, straffen den Bauch wohl noch im Kreißsaal, werden schon im Wochenbett von Heerscharen von Personal Trainern betüdelt und rennen kurz nach der Geburt schon wieder mit Traumfigur vor die Kameras. Den Rest erledigt die Bildmanipulationssoftware. Ein tolles Vorbild für die Mütter, die nach der Geburt mit ihrem Gewicht kämpfen und sich angesichts von solchen Kunstprodukten beständig minderwertig fühlen und mit ihrem Körper auf Kriegsfuß stehen. Die Reihe solcher Beispiele ließe sich nahezu beliebig verlängern. Mädels, lasst euch nicht verarschen! Diese Gestalten sind Produkte einer Bildbearbeitungssoftware und keine realen Vorbilder. Das sind nur Illusionen von Perfektion und nichts Echtes!
Ach ja und dann ist da noch die Frauenzeitschrift, die die gemeine Leserin nicht mehr mit Modelbildern belästigen will und trotzdem in der ersten Ausgabe ohne Models gleich eine Diät anpreist. Super! Irgendwie wollen sie es ja scheinbar doch hinkriegen, dass man sich schlecht fühlt. Beim Tüdelkram hat man dazu auch eine Meinung.